Alles Vorurteil oder was?

Haben Sie Vorurteile?
Nicht zu knapp.
Jeder hat sie.
Alle unsere Urteile
sind Vorurteile.
Sie kommen unter
Unsicherheit zustande.
Beruhen auf
vorläufiges Wissen.
Auf Wahrheiten,
die schnell
überholt sind.
Das Schlechte
sind nicht Vorurteile,
sondern die Menschen,
die sich nicht
davon trennen können.
Aber das trifft ja
nicht auf Sie zu, oder?

 

4 Gedanken zu “Alles Vorurteil oder was?

  1. Do Pfrogner says:

    Ur-teilen heißt das Ganze, dss Ur teilen.
    Also immer nur einen Teil des ganzen Menschen oder der Welt in den Fokus nehmen. Wenn man sich dessen bewusst ist und dazu noch, dass jedem und allem das Göttliche innewohnt, kann man schnell in Frieden mit sich, den Mitmenschen und der Umwelt kommen.
    Namasté heißt: “Ich grüße das Göttliche in Dir!”
    Und regional: “Griaß di God!”

     
  2. Hans Zangl says:

    “Es gibt keine alternativen Fakten, nur alternative Deutungen. Man kann noch so viel Wissenschaftlichkeit, Zahlen und Studien auftürmen – was daraus folgt, bleibt dem Einzelnen überlassen. Die bedeutungsgebende Instanz ist der Mensch. Er wägt ab, setzt in Beziehung, urteilt. Auch wenn er weiss, dass es nur ein Ur-Teil ist, eben ein Teil des Ur-Zusammenhangs. Niemals die Wahrheit.” (R.K. Sprenger, NZZ vom 10.12. 2020).

    Ein Vor-Ur-Teil wiederum basiert nicht einmal auf Fakten, es hat viele Ur-Sachen wie Ideologie, Machtstreben, Ichzentrierung, Zerstörungswahn, Geltungssucht.

     
  3. ekkehard says:

    Nach herrschender Meinung gilt ein Mensch mit Vorurteilen als Vertreter einer falschen Meinung, der nur sehr schwer belehrbar erscheint. Damit ist das Wort schon negativ belastet. Aber stimmt das immer?
    Manch neue Erkenntnisse interessieren so stark, dass man beginnt darüber nachzudenken, in der Hoffnung, sich anschließend ein Urteil bilden zu können. Dazu kommen ständig Neuigkeiten, die in Erinnerung bleiben, nicht untersucht werden, aber doch zu einer Meinung führen. Diese sollte plausibel sein. Ist sie aber auch richtig? So schleppt man Vorurteile mit sich rum.
    Wenn man anerkennt, dass die ungeprüfte Meinung eine Verwandte des Vorurteils ist, muss man nur andere Meinungen respektieren. Das macht jede Diskussion viel einfacher und bringt einem Wissen näher. Aber ist Wissen Wahrheit?
    Mich interessieren besonders die Wirtschaftswissenschaften. Wie in jeder Wissenschaft gibt es da ständig neue Erkenntnisse. Der Unterschied zu anderen Wissenschaften scheint mir lediglich zu sein, dass neue Erkenntnisse die alten nicht ersetzen, sondern nur daneben gestellt werden. So können Koryphäen Jahrzehnte lang heftig streiten und keiner fühlt sich mit Vorurteilen behaftet.
    Deshalb eine Sprucherweiterung: „Glauben heißt nicht wissen, aber an sein Wissen muss man glauben.“

     
    1. Detlev Six says:

      Ich finde Deinen Kommentar wohltuend – wahrscheinlich, weil ich ihn im Inhalt teile. Jeder Begriff, der unser geistiges Leben beschreibt, hat das Potential, einer sachlichen Auslegung und einer moralischen Bewertung. Meisten beides in einem, oft aber auch mit Schlagseite in einer Richtung. Zwei Beispiele: “Gerechtigkeit” und “Vorurteil”. “Gerechtigkeit” in der sachlichen Auslegung erläutere ich hier nicht weiter – es gibt zuviele Konzepte dafür. Moralisch wird “Gerechtigkeit” meist als “gut” gesehen – aber auch hier gibt es Ausnahmen. In einem Interview hat ein deutscher Top-Manager “Gerechtigkeit” als kommunistische Ideologie bezeichnet. Also als “böse”. Das Pendel auf die andere Seite bringt die semantische Karriere von “Vorurteil”. Auf der sachlichen Ebene meint “Vorurteil” nur vorläufiges Urteil. Solange bis ein besseres Urteil auf der Basis von neuen Erkenntnissen möglich ist. Ist dieses dann folgende Urteil ein endgültiges Urteil? Nein, ein weiteres “Vorurteil”, vor der nächsten Stufe der Urteilsentwicklung. Ein derartiges Verständnis von “Vorurteil” hat den Vorteil, dass jeder, der diese Erkenntnis nutzt, nie einem Vorurteil im Sinne von “böse” erliegt. Warum dann, wie Du sagst, die “herrschende Meinung”, dass ein Vorurteil “böse” ist? Ganz einfach, in diesem Fall wurde die sachliche Arbeit am “Vorurteil” eingestellt, die moralische Bewertung übernimmt – und die fällt mangels aktueller Informationen meistens “böse” aus. Dabei gäbe es Worte für ein “böses Vorurteil”, die ohne die Beschädigung eines so schönen sachlichen Begriffs wie “Vor-Urteil” verwendet werden könnten. Zum Beispiel “Ressentiment”. Was ist der Vorteil, wenn ein sachlicher Begriff nicht von der moralischen Bewertung entwertet wird? Wir hätten zwei Begriffe, die Sprache wäre reichhaltiger um die Welt zu beschreiben, wir könnten klar getrennt sachlich oder moralisch argumentieren.

       

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