Anlässlich der US-Wahl: Wie viel Individualität verträgt eine Gesellschaft?

Es war einmal eine
Königin der Individualität.
Sie sagte, nur ich zähle,
die Gemeinschaft zählt gar nichts.
Ich schwöre, dass ich niemals
zum Wohle eines anderen
leben werde und niemals
von einem anderen verlangen
werde, für mein Wohl zu leben.
Für das Wohlergehen der Welt zählt
allein die Durchsetzung des Genialen.
Dafür dürfen alle Regeln
gebrochen werden.
Es gibt nur zwei Leben:
Das des Schöpfers
unabhängiger Werke.
Oder ein Leben
als Schmarotzer.
Ihr Name war Ayn Rand.
Solange bis sie Lungenkrebs bekam.
Danach bezog sie unter
dem Namen Ann O’Connor
Leistungen der
staatlichen Sozialversicherung.
Die Bücher von Ayn Rand gelten
in den USA als die
einflussreichsten nach der Bibel.
Die Libertarier und
die Tea-Party-Bewegung
vergöttern sie noch heute.
Zumindest solange sie
nicht arm und krank werden.

 

5 Gedanken zu “Anlässlich der US-Wahl: Wie viel Individualität verträgt eine Gesellschaft?

  1. Inge says:

    Die Frage die ich habe:
    Wer kennt das Gesetz des Genialen und wo steht es geschrieben?
    Was ist mit zwei Leben gemeint?
    Gibt es eine Unabhängigkeit zum Schöpfer und sind nicht alle Menschen in irgendeiner Form Schmarotzer der Schöpfung?
    Ist der Krebs nicht auch ein Schmarotzer, der sich an einem “Leben” sättigt? Nein, er wächst, weil seine Individuelle Zellaktivität frei vom genialen Plan geworden ist.

    Der geniale Plan scheint in Gottes Hand zu liegen. Wir kennen ihn nicht aber wir erahnen ihn.

    Soweit meine Gedanken zu der Geschichte, dem Thema.

     
  2. Do Pfrogner says:

    Individualität in Prozentzahlen oder was?
    Wie immer sowohl als auch – beides ist notwendig.
    Je mehr Individualität, desto weniger Faschismus.
    Je mehr Individualität, desto mehr bewusster notwendiger Gemeinschaftssinn.
    Kulturelle Individualität jedenfalls ist Charakter-Befriedung und somit gegen die Gewaltanfälligkeit der Masse.

     
    1. Detlev Six says:

      “Je mehr Individualität, desto mehr bewusster notwendiger Gemeinschaftssinn.” Glaubst Du das wirklich? Beim Rest gebe ich Dir recht. Auch was die Prozenthuberei betrifft. Natürlich ist einer (eine) mit 51% kein reiner Individualist und einer(eine) mit 49 % ein gescheiterter, ja was, Kollektivist? Das Problem liegt in der Begrifflichkeit. Es gibt keinen Begriff, der eine gelungene Mischung Mensch aus individuellen und gemeinschaftlichen Elementen beschreibt (höchstens wird er von interessierter Seite als “Gutmensch” verachtet und gebrandmarkt). Individualist ist positiv geladen (wenigstens in der westlichen Welt) und so können neben vielen gelungenen Individualisten in Kunst, Wissenschaft und Alltagsleben auch extrem sich selbst ausreizende Individualisten eine fragwürdige Existenz als selbsternannte Genies führen, wie Ayn Rand (“ich bin ein Genie”) oder Donald Trump (“ich bin ein stabiles Genie”).

       
    2. Karlheinz Raum says:

      je mehr sich die Individualität ausbreitet, desto notwendiger ist die Entfaltung des Gemeinsinns. Sozusagen; ein Heilmittel gegen die Individualität (auf deutsch: Eigensinn). Mit Gemeinsinn ließe sich sogar der Charakter befrieden und gegen Gewalt immunisieren.

       
  3. ekkehard says:

    Zu Individualität gibt es, je nach Bereich, sehr unterschiedliche Definitionen. Vielleicht ist meine Meinung zu einfach: Ein Individualist ist ein Mensch, der in seinem bewussten Verhalten (oder Eigenschaften) vom üblichen Verhalten der anderen Individuen abweicht. Das kann gut oder schlecht sein. Mathematisch ausgedrückt befindet er sich irgendwo in Richtung zum linken oder rechten Rand der Gauß’schen Kurve.
    Donald Trump ist sogar ein extremer Individualist, wenn auch ein schäbiger. Er hat die Fähigkeit Menschen zu überzeugen, die zwar getäuscht werden, aber keineswegs dumm, rassistisch oder sonst was sein müssen. Für seine Partei hat er sogar die meisten Wählerstimmen aller Zeiten gewonnen. Sein Pech war nur, dass der Individualist auf der anderen Seite erfolgreicher war.
    Von Naturereignissen oder -entwicklungen abgesehen sind es wahrscheinlich nur Individualisten, die eine Gesellschaft verändern können. Aber allein bewirken sie auch nichts. Sie benötigen schon Akzeptanz in der Allgemeinheit und da entscheidet sich, ob die Auswirkungen positiv oder negativ wirken.
    In Kunst und Kultur dürften positive Effekte überwiegen, wenigstens solange nicht politische oder religiöse Fanatiker eingreifen. Da entscheidet die freie Wahl und alles braucht seine Zeit. Ein van Gogh wurde erst nach seinem Tod anerkannt. Vielleicht wäre er mit dem Thema „Hirsch betritt die Lichtung“ erfolgreicher gewesen.
    In der Wissenschaft gilt Gleiches. Nur die Einflussnahme der Politik ist leider viel größer. In der Politik scheint es allerdings anders. Jedenfalls sind da oftmals auch Individualisten am Werk, welche die Gesellschaft nicht unbedingt positiv verändern.

     

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