Ist die Gleichberechtigung deshalb so in Fahrt gekommen, weil immer mehr Hirn statt Kraft gefordert wird?

Gleichberechtigung ist eine
zivilisatorische Errungenschaft
für Menschen, die Regeln
einhalten und ein Interesse
daran haben, gleiches Recht
für alle gelten zu lassen.
So weit, so wörtlich.
Das können Frauen sein.
Das können Männer sein.
Aber auch Menschen, die
unterschiedlicher Auffassung
sind und auf Argumente
mit Argumenten antworten.
Ohne das schlagende Argument
wörtlich zu nehmen.
Gleichberechtigung braucht
Hirnrecht und kein Faustrecht.
Ob diese Gleichberechtigung
in Fahrt gekommen ist?
Die Grenzlinien
haben sich verschoben.
Sie verlaufen nicht mehr
in erster Linie
zwischen Männern und Frauen.

 

2 Gedanken zu “Ist die Gleichberechtigung deshalb so in Fahrt gekommen, weil immer mehr Hirn statt Kraft gefordert wird?

  1. Karlheinz Raum says:

    Gleichheit – Ègalité. Ein Begriff der Gerechtigkeit – Vermutlich ein menschliches Grundbedürfnis.
    In der Neuzeit taucht es im 18. Jahrhundert bei Voltaire auf und wird in Verbindung mit Freiheit und Brüderlichkeit zum Grundsatz der französischen Revolution 1848 fand es in der Verfassung seine gesetzliche Grundlage. Gleiche Gedanken sind auch in der englischen und amerikanischen Verfassung enthalten. Historiker halten es für eine Folge der Aufklärung, die zur Teilung der Gewalten führte. Trennung von politischer Macht und Justiz, war das Ziel. Womit wir bei der Frage, ob Gehirn oder Kraft entscheidet, angelangt wären. Bis zu diesem Zeitpunkt tauchen Frauen im Zusammenhang mit Recht noch gar nicht auf.
    Erst im 19 Jahrhundert wird es durch Bahá’u’llah erweitert auf Gleichwertigkeit, womit die Gleichstellung von Mann und Frau gemeint ist.
    Irgendwie hat man vorher die weibliche Hälfte der Menschen „vergessen“. Selbst in der Europa Hymne ist nur von Brüdern die Rede. Schwestern kannte man nur in Klöstern oder als Pfleger für Alte und Kranke. Erstaunlicherweise begann das Wahlrecht der Frauen erstmalig auf der anderen Seite der Erde (down-under). 1893 auf den Cook Inseln im Pazifik und kurz darauf in Neuseeland und Australien. In Deutschland 1918.
    Ab 1948 – nach Einführung der Allgemeinen Menschenrechte – wurde es Weltgrundrecht und bedeutet; Alle Menschen sind gleich – ohne Ausnahmen von Geschlecht, Herkunft, Rasse, Religion, Hautfarbe oder Behinderung. Allein durch ihr Menschsein haben alle gewisse Rechte, überall und immer.
    Die Gleichberechtigung hat Fahrt aufgenommen. Noch verlaufen Grenzlinien sehr unterschiedlich und neue haben sich gebildet. Arm und Reich. Nord und Süd. Ost und West. Europa und USA. Neue Allianzen bilden sich. Ich warte darauf, dass zu den Menschenrechten noch die Hirnpflicht dazu kommt.
    Es bleibt spannend.
    Karlheinz Raum

     
  2. Ekkehard says:

    Gleichberechtigung

    Die natürliche Aufgabenzuordnung der Geschlechter erschien relativ einfach. Frauen bekamen die Kinder und zogen sie auf und die kräftigeren Männer sorgten für Schutz und Versorgung durch die Jagd. Frauen mussten die Schwangerschaft durchstehen, gebären, stillen und die Kleinkinder aufziehen. Das war anstrengend und schutzbedürftig, war aber mit zwei wesentlichen Vorteilen verbunden: Sie konnten eine engere Mutter-Kind Beziehung aufbauen und wussten im allgemeinen wer der Erzeuger war.

    Menschen sind keine besonders wehrhaften Wesen. Ihr Überleben im Kampf mit der Natur konnten sie nur sichern, weil sie über ein Denkvermögen verfügen, dass alle anderen Arten sehr überlegen war. Heute wissen wir, dass beide Geschlechter mit gleichwertiger Intelligenz ausgestattet sind. Früher sah man das nicht so, vor allem solange der Einsatz von Wissen dazu diente, die Arbeitsergebnisse männlicher Kraft zu verbessern. Das heilende Kräuterweiblein wurde halt immer vom erfolgreichen Bärentöter in den Schatten gestellt.

    Kraft war das entscheidende Machtmittel, Geist eine durchaus hilfreiche Ergänzung. Es war eben der gut gewappnete Herzog, der vor seinem Heer zog und dabei war auch gut, dass nicht jeder wusste was er im Schilde führte. Frauen hatten sich einzuordnen, kannten aber auch ihre Tricks, um sich durchzusetzen.

    Gegen Ende des Mittelalters dürfte die Bedeutung der Frau am geringsten gewesen sein. Der Klerus hatte sich ganz abgewandt, womit sich in diesem Bereich überragende Frauen, wie sie etwa Hildegard von Bingen, überhaupt nicht mehr entwickeln konnten. Bei den hohen weltlichen Häusern war es kaum anders. Außerdem waren fast alle übrigen Männer als Tagelöhner oder Frondienstleistern ziemlich rechtlos.

    Mit der Neuzeit änderte sich alles, wenn auch anfangs nur langsam. Die gelehrten Mönche wandten sich der Philosophie und den Naturwissenschaften zu. Der Buchdruck brachte auch Laien dazu lesen und schreiben zu lernen. Im 17. Jahrhundert begann die Entwicklung vieler technischer Geräte, im 18. Jahrhundert der Maschinenbau und dann kam die industrielle Revolution. Es startete die Wissensgesellschaft und Kraft wurde zunehmend durch Maschinen umgesetzt.

    Wichtiger für die Befreiung der Menschen war aber die Aufklärung. Man löste sich aus den überkommenen Gott gewollten hierarchischen Strukturen und entdeckte die Rechte der einfachen Bürger. Jefferson, der Vater der amerikanischen Verfassung, prägte die Formel „alle Menschen sind gleich“, womit er allerdings nicht die über 900 Sklaven meinte, die auf seinen Gütern arbeiten mussten.

    Im 19. Jahrhundert entstanden nicht nur die Arbeiterbewegungen, sondern auch die Frauen entdeckten ihre Rechte. Dies war eine sehr langsame Entwicklung. Man kann nachlesen, in welchen Schritten die Frauenrechte etabliert wurden. In unserem Lande sind Frauen heute theoretisch gleichberechtigt, müssen aber weiterhin gegen überkommenen Traditionen ankämpfen, die eine reale Gleichberechtigung immer noch behindern.

    Es ist zweifelhaft, ob es je eine absolute Gleichberechtigung geben wird. Dem steht schon die Meinungsvielfalt entgegen. Die wünschenswerte Entwicklung wird nicht nur durch traditionalistischen Männer behindert, sondern auch durch eine Vielzahl von Frauen, die immer noch mütterliche Instinkte höher einschätzen als jegliches Karrieredenken. Da wird auch eine Quotenregelung nicht weiterhelfen: Als wäre gerecht, wenn tatsächlich 50 % der Parlamentarier Frauen wären. Müssen aber in einer Partei, in der nur 20 % der Mitglieder Frauen sind, wirklich 50 % der Abgeordneten weiblich sein?

    Gruß Ekkehard

     

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