Kommt jetzt der Knappheitspolitiker?

Vor 10 000 Jahren
war die Geburtsstunde
des Wachstumspolitikers.
Der Anlass:
Getreide wurde domestiziert.
Nahrung war planbar.
Jagdglück spielte
keine Rolle mehr.
Es gab etwas zu verteilen.
Wachstum.
Ein Job, den jeder
Politiker liebt.
Nur leider wuchs
die Bevölkerung
schneller als die
Nahrungsversorgung.
Die Feldfrucht
(und andere
Nahrungserträge)
hechelten der
menschlichen
Fruchtbarkeit
hinterher.
Die Folgen:
Hunger und
Verteilungskämpfe.
Neue Politikertypen
waren angesagt:
Kriegspolitiker.
Schuldenpolitiker.
Appellpolitiker.
Politiker, die mit
Knappheit umgehen
konnten, gab’s nie.
Wenn also jetzt
Finanzminister
Christian Lindner
ankündigt, dass
5 Jahre der
Knappheit vor
uns liegen,
dann sollte er
nicht vergessen,
dass es gar
keine Politiker
dafür gibt.

 

3 Gedanken zu “Kommt jetzt der Knappheitspolitiker?

  1. Karlheinz says:

    Stammtisch vom 22.6.2022: Wirtschaftswachstum, notwendig oder Horror?
    Die Welt ist aus den Angeln geraten. Das kommt davon, wenn aus einer Einleitung eine Steilvorlage für eine gewagte These und Wirtschaftswachstum ursächlich für Geburtenwachstum erklärt wird. Länder mit dem größten Wirtschaftswachstum leiden nicht unter Übervölkerung. Sondern unter Überproduktion. Marktwirtschaftlich gesehen wird mehr produziert als verkauft. Das führt zum Preisverfall. Aus dem vermeintlichen Schnäppchen wird ein Schlussverkauf der freien, sozialen Marktwirtschaft. Es entsteht ein Verdrängungswettbewerb, der Konkurrenten, Arbeitsplätze und soziale Gerechtigkeit vernichtet. Übrig bleiben Giganten und einige wenige, die noch Marktnischen entdeckt haben. Das sind totalitäre Systeme, von denen wir glaubten, sie überwunden zu haben. Aus früheren Herrschern wurden anonyme Anteilseigner von Weltfirmen. Totale Freiheit wurde zum Glaubensbekenntnis der Besitzenden. Freiheit ohne Gerechtigkeit. Vergessen sind die ursprünglichen Säulen der Demokratie; Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Commonwealth (deutsch; Gemeinwohl) – ein historischer Begriff.
    Egalité wurde übersetzt mit „Es ist mir egal“. Egal, welches Produkt – Hauptsache die Rendite stimmt. Die Gier nach immer mehr, ohne Regeln und Ordnung, führt zu Chaos, Anarchie und Krieg.
    Da hilft auch kein nationales Verknappungsministerium. Das gab es bereits unter Hitler und Ulbricht. Da wurde alles staatlich reguliert und Nahrungsmittel per Lebensmittelmarken verteilt. War aber nur lokale Schadensbegrenzung.
    Vielleicht gelingt es uns am 17. August die „Zeitenwende“ neu zu überdenken.

     
  2. Ekkehard says:

    Der Stammtisch vom 22.6. hatte nur 7 Teilnehmer (2 Damen, 5 Herren). Die übrigen Freunde mögen, soweit sie den Saurüssel aufrufen, aus den beiden Kommentaren nicht erkennen, wie diskutiert wurde. Ich möchte deshalb Erläuterungen zur Disposition stellen.
    Erstens: Aus der Behauptung, ein Bevölkerungsanstieg von 2 auf 8 Mrd. in 90 Jahren erforderte entsprechendes Wirtschaftswachstum, kann man nicht ableiten, das Wirtschaftswachstum hätte die Mehrung verursacht.
    Zweitens: Bis vor über 100 Jahren war es tatsächlich die Regel, das „gute Zeiten“ mit Bevölkerungswachstum verbunden waren. Hat das mit Wirtschaftswachstum zu tun, oder nicht eher mit geringerer Hungersnot und der besseren Möglichkeit Kinder großzuziehen?
    Drittens: Die Knappheitsfrage wurde schon immer behandelt. J.M.Keynes mag ein wirtschaftswissenschaftliches Genie gewesen sein. Aber schon Josef von Ägypten galt als Vorsorgepolitiker.
    Viertens: Der Geburtenrückgang in den Industrienationen hat für mich damit zu tun, dass die Altersversorgung nicht mehr von der Zahl eigener Kinder abhängt und inzwischen Frauen auch entscheiden können.

     
    1. Karlheinz says:

      Lieber Ekkehard, ich stimme Dir voll zu, was die Vergangenheit anbelangt. Meine Argumentation bezieht sich auf die gegenwärtige Zeitenwende.
      Ist doch klar, dass mehr Menschen mehr brauchen und Bildung die Geburtenrate senkt. Es lohnt sich aber darüber nachzudenken, ob der Geburtenrückgang in Industrieländern nicht mit Arbeitsplätzen und Sozialleistungen zu tun hat? Das wäre dann Vordenken!
      In den heute armen Ländern hat man mehr Zeit, sich zu vermehren, statt Geld und Wirtschaft, verbunden mit der Hoffnung, dass Kinder die Versorgung übernehmen und durch Verheiratung Geld in die Kasse kommt. Je nachdem, auf welchem Kontinent man lebte. In Asien waren es die Buben die Geld brachten, in Afrika die Mädchen.

       

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