Macht uns ein WENIGER glücklicher als ein MEHR?

Mein Haus.
Mein Auto.
Mein Boot.
Zwei Männer überbieten
sich im MEHR.
Ein Klassiker der TV-Werbung.
Wenn auch ironisch gemeint,
die perfekte Beschreibung der
HABENGESELLSCHAFT.
Mein Geist.
Meine Seele.
Meine Gelassenheit.
Diesmal ein Einsiedler
in der Wüste.
Denkbar, dass dieser
mit dem WENIGER wirbt?
Auch er würde mit
dem MEHR werben.
Mehr Geist.
Mehr Seele.
Mehr Gelassenheit.
Und würde
sich als Mitglied der
SEINGESELLSCHAFT
ausweisen.
Das Mitglied einer
HABENGESELLSCHAFT
hätte sichtbare Beweise
seines Besitzes.
Das Mitglied einer
SEINGESELLSCHAFT
keine sichtbaren
seines Vermögens.
Der eine zeigt,
was er hat.
Der andere beweist,
was er vermag.
Die Frage ist also nicht
MEHR oder WENIGER.
Sondern, was zählt
für den Einzelnen mehr?
Der äußere Status.
Oder der innere.

 

5 Gedanken zu “Macht uns ein WENIGER glücklicher als ein MEHR?

  1. Hans Zangl says:

    Lieber Detlev
    Ein sehr schöner Text mit viel Tiefgang.

    Das MEHR steckt in uns allen drin und das MEHR hat viele Facetten und Ausprägungen. Im Verlauf des Lebensprozesses wechselt das MEHR immer wieder die Ausprägung. Einmal wollen wir MEHR Spaß, dann wieder MEHR Ruhe, sehr häufig MEHR Geld, dann wieder MEHR Gerechtigkeit und MEHR Liebe. Diese Beispiele für das MEHR könnte man beliebig fortsetzen. In der Regel wollen Kinder ein anders MEHR als Jugendliche, Jugendliche ein anderes als Erwachsene, Eltern ein anders als Nichteltern, Senioren/innen wieder ein anderes als alle anderen.

    Und hierzu zwei grundsätzliche Fragen:
    1: Warum und wozu wollen wir, brauchen wir das MEHR?
    2: Verursacht nicht grundsätzliche jedes MEHR auch ein WENIGER, wie, wann und wo auch immer?

    Schöne Grüße und bleib gesund
    Hans

     
    1. Detlev Six says:

      Lieber Hans,

      danke für Deine positiven Bemerkungen und Deine anregenden Fragen. Deine Facetten des MEHR sprechen für ein vielfältiges und ausgeglichenes Leben. Der Lebens-Hunger und die Neu-Gier scheinen für den Einzelnen überschaubar und planbar und fruchtbar. Den überzogenen Überbietungswettbewerb, den ich im post angesprochen habe, lese ich dort dankenswerterweise nicht heraus. Aber Du hast nach dem Nutzen des MEHR gefragt (und dadurch indirekt nach dem Nicht-Nutzen des WENIGER). Für mich steht hinter dem MEHR die Metapher “Die Kraft des Lebens” und hinter dem WENIGER “Die Angst vor dem Tod”. Ich weiß, sehr spekulativ, wenig philosophisch – schon sehr psychoanalytisch. Vielleicht alltagsnäher: MEHR und WENIGER im Haben-Bereich, plakativ nebeneinandergestellt, trennen sehr schmerzlich die Habenichtse von den Wohlhabenden.

      Was Deine zweite Frage betrifft: Die Je-desto-Frage. Trifft wohl nur dann zu, wenn dem Menschen eine gut bestimmbare Grundgesamtheit des Habens zu Verfügung steht. Wie es dem Gini-Koeffizienten mit der Darstellung der Ungleichheiten der Einkommensverteilung vergönnt ist. Dort ist glasklar, je mehr die einen haben, desto weniger haben die anderen.

      Wenn ich meine Antworten durchlese – wenig befriedigend. Das Thema ist zu groß, zu weit, zu ungreifbar. Alleine, dass ich im post das HABEN mit dem SEIN konfrontierte, ist schon ein wenig tricky – es war der Versuch das Image des WENIGER zu retten. Das HABEN ist eine einfache SACHE, auf das HABEN kann ich zeigen und es quantifizieren. Auf den Geist, die Seele, das ICH kann ich nicht zeigen. Beim SEIN etwas zu demonstrieren, geht nur über den Umweg der Person. Jemand ist geistreicher, als viele andere, jener ist eine Seele von Mensch, diese Person ist ICH-stärker als die meisten. Und schon bin ich wieder beim MEHR. Das WENIGER hat keine Chance.

      Bleibe auch Du gesund.
      Beste Grüße
      Detlev

       
      1. Hans Zangl says:

        Lieber Detlev
        es geht nicht um den Nutzen des Mehr, es geht darum, warum und wozu wollen wir es. Hierzu grob drei Ansätze:

        1: Wir wollen alle “überleben”. Dazu brauchen wir Reserven, weil es im Lebensprozess viele Risiken gibt, siehe Corona. Mit Reserven = MEHR, können wir die Risikosituationen besser überstehen.

        2: Die Ressourcen für das Leben sind beschränkt, es gibt einen harten Wettbewerb, einen Konkurrenzkampf zwischen den vielen Menschen um die Ressourcen. Je MEHR Wettbewerbskräfte man aufbieten kann, umso besser kann man im Wettbewerb bestehen.

        3: Mit dem Bewußtsein hat der Mensch eine neue Qualität im Wettbewerb erhalten, hat sich der menschliche Wettbewerb erweitert um “Ressourcen” wie Stellung, Wertschätzung, Aufmerksamkeit, VIP, Experten (siehe Corona), Macht, Einfluss, etc. In Verbindung mit dem Katalysator Medien wird um das MEHR dieser extrem knappen “Ressourcen” hart im Wettbewerb, offen, verdeckt oder hinterhältig gekämpft.

        Schöne Grüße
        Hans

         
        1. Detlev Six says:

          Lieber Hans,
          eine sehr gelungene Übertragung der Antagonismen der Natur ins menschliche Leben. Obwohl wir uns ja mit dem Bewußtsein aus der instinktiven Natur verabschiedet glauben, funktioniert das so richtig nur bei den technologischen Entwicklungen. Damit wird sicherlich bald verschärft versucht werden mit unseren neuen genetischen Fähigkeiten “das krumme Holz der Menscheit” (Kant) zu begradigen. Weil wir es nicht schaffen, soziale und politische Verhältnisse zu schaffen, die für das Mängelwesen Mensch möglichst günstig sind. Das perfekte Design des transhumanistischen Wesens wird das auf eine ganz andere Art und Weise lösen.
          Beste Grüße
          Detlev

           
  2. Karlheinz Raum says:

    More o less – that is the question ? frei nach W. Shakespeare.
    Die Antwort hängt wohl sehr davon ab, wie wir erzogen wurden. Unsere Gesellschaft wurde mehr auf das Äußere vorbereitet. Leistung ist das Zauberwort. Wer mehr leistet wird belohnt. Leistung ist umgesetzte Energie und die muss erst einmal sichtbar gemacht werden. Leistung und Arbeit ist aber zweierlei. Das eine geht über den Kopf, das andere über Muskelkraft. So weit wäre ja noch alles gut, wenn die geistige Leistung (zunächst noch unsichtbar) nicht höher bewertet würde, als die körperliche. Deswegen trennen sich die Wege bereits nach der Grundschule.
    Wer glaubt, dass seine Leistung höher bewertet werden muss, studiert. Die anderen lernen ein Handwerk. Dazwischen gibt es noch die Cleveren – die werden Kaufmann, Sportler oder Künstler.
    Bei gleicher Entlohnung käme keiner auf die Idee, dass der eine belohnt und der andere bestraft würde. Niemand käme auf die Idee, seine Entlohnung beweisen (zeigen) zu müssen.
    Jetzt beginnt die Stunde der Marktwirtschaft. Wie kann ich mehr verkaufen als die Menschen brauchen? Wie kann Wirtschaft wachsen, wenn der Verbraucher nicht mehr kauft als er braucht ? Historisch gesehen war das, die von Ludwig Erhard begründete „soziale Marktwirtschaft“. Doch nach einigen Jahren war diese gesättigt. Das Volk hatte, was es braucht. Von da ab begann die „freie Marktwirtschaft“ und mit ihr die Werbung und die davon lebenden Medien.
    Zur Zeit befindet sich die inzwischen gewachsene Weltwirtschaft im Umbruch. Nach der UN Konferenz von Rio 1992, wo uns Wissenschaftler gezeigt haben, dass ein Mehr unsere Lebensgrundlage (Erde) zerstört, versucht man das Problem zu lösen.
    Erst ein Virus brachte uns zum Nachdenken, wie ernst die Situation ist. Wir (nicht nur die Verantwortlichen) hatten jetzt 3 Monate Zeit zum Überlegen. Wir haben wieder gelernt, mit wie wenig wir auskommen (ausser Klopapier und Mehl).
    Jetzt liegt es an uns, ob wir mitmachen.

     

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