Müssen wir unsere Werte ständig anpassen?

Wir ändern unsere Werte
in Sekundenschnelle.
Wenn uns die Wahrheit
schadet, lügen wir.
Wenn uns die
Wahrheit nützt,
trumpfen wir
mit ihr auf.
Wenn wir uns
ungerecht behandelt
fühlen, fordern
wir Gerechtigkeit.
Wenn wir von der
Ungerechtigkeit
profitieren,
schweigen wir.
Wenn wir mehr
Freiheit für uns
wollen, gehen wir
auf die Straße
und lachen über die
am Straßenrand,
deren Freiheit
wir beschneiden.
Werte erleben
wir subjektiv und
ändern sie ständig
zu unseren Gunsten.
Die Stellschraube
heißt Macht.
Macht über die
Lebenssituation.
Das funktioniert
nicht, wenn
das Machtgefälle
zu groß ist.
Deshalb mussten
sich Frauen
die sexuellen
Übergriffe ihrer
Chefs gefallen
lassen, wenn sie
nicht ihren
Arbeitsplatz
gefährden wollten.
Erst als eine
neue Macht dazu kam,
die Öffentlichkeit,
hat sich das geändert.
Die meisten Menschen
haben einen
Mindeststandard
der Werte, den sie
nicht unterschreiten.
Gefährlich sind die,
die keinen haben.

 

9 Gedanken zu “Müssen wir unsere Werte ständig anpassen?

  1. Karlheinz Raum says:

    Da der Vorspann den aktuellen Stand unserer Werte schon hervorragend beschreibt und ich ungern Google zu Hilfe nehme, habe ich diesmal mehr die historische Entwicklung betrachtet.
    Eigentlich sind wir gar nicht zuständig für die Anpassung unserer Werte. Wir bewerten sie nur und zwar ständig, seitdem wir glauben, dass wir mit dem Recht auf Meinungsfreiheit, auch das Recht auf Selbstbestimmung hätten.
    Seit Menschengedenken wurden Werte von den Weltreligionen bestimmt. Die dazu notwendigen Grundregeln wurden in den Heiligen Schriften vorgegeben und im Wesentlichen nur durch neue Religionen angepasst. Da Grundregeln nicht für tägliche Anwendung ausreichen, entstand im Judentum der Talmud, im Islam die Hadithen, im Christentum das Kirchenrecht und der Katechismus. Mit der französischen Revolution begann man zwischen Kirche und Staat zu unterscheiden und damit ein allgemeines, weltliches Wertesystem zu schaffen, das als Menschenrecht Eingang in unsere Verfassung gefunden hat .
    Änderungen wurden historisch meist in Not- oder Kriegszeiten vorgenommen, wo man aus der Not eine Tugend machte. Das hat sich bis heute nicht geändert. Nur, dass man früher einen geistigen Wert (Tugend – Ethik) damit gemeint hat. Damit sich Werte nicht ganz im Materialismus auflösen, hat man jetzt einen Ethikrat.

     
    1. Bettina says:

      Du hast die Naturreligionen vergessen, Karlheinz (nicht den Farbfilm)…Vielleicht waren hier die Werte stärker verankert als in den Weltreligionen, die sie oft als Macht- und Unterdrückungsmittel mißbraucht haben und häufig eher daran interessiert waren, Güter anzuhäufen als Güte zu leben.

       
  2. kuhn hans-peter says:

    Die Frage richtet sich nicht an das, was wir müssen, sondern an das, was wir tun.
    Wer Werte sucht, sollte sich auf die Müllkippe begeben. Da liegen sie, die Werte, die wir verworfen haben, wie Kraut und Rüben, in Hülle und Fülle, die Guten und die Schlechten.
    Eric Zemmour hat eins kapiert: Je mehr die Werte stinken, desto grösser die Aufmerksamkeit.
    Ihr Bayern, hört auf Detlev! Mein Themenvorschlag für Eure nächste Session: „In welcher Ecke der Müllkippe liegen die Mindeststandards?“

     
    1. Karlheinz Raum says:

      Werte sind dazu da, damit wir danach handeln. Sonst sind sie wertlos. Demnach müssen nicht die Werte geändert werden, sondern unser Verhalten.

       
  3. Ekkehard says:

    Ich glaube, das geltende Wertesystem ändert sich immer langsam, aber stetig. In der Neuzeit, besonders in den letzten hundert Jahren, hat dabei eine Beschleunigung eingesetzt. Ob der Einzelne sich dem anpasst, sogar selbst ändernd wirkt oder aber die Veränderungen gar nicht wahrnimmt, mag individuell unterschiedlich sein.
    Dabei sind drei Kategorien zu beachten: Werte sind zwangsläufig regional unterschiedlich, Veränderungen resultieren aus der Entwicklung der Lebensumstände und der Verarbeitung des Wissensfortschritts und jeder Mensch ist davon betroffen, ob er es merkt oder nicht.
    Jede Gemeinschaft muss eine Organisation ihres Zusammenlebens bewirken, die sich auch jin einem Wertekatalog niederschlägt. Dabei finden Geografie und die Natur der Umgebung entsprechenden Eingang. Aber selbst, wenn geografische und natürliche Gegebenheiten absolut gleich wären, entwickelt sich ein unterschiedliches Wertebewusstsein, weil die Distanz eine erhebliche Rolle spielt. Es ist eben kaum möglich, Sitten und Gebräuche über tausende Kilometer auszutauschen, wenn die erforderlichen Verkehrsmittel fehlen oder nicht in entsprechendem Ausmaß genutzt werden können.
    Müssen wir uns anpassen, oder ist es nicht das Wertesystem, das sich ständig dem Wissensfortschritt anpasst? Ein Blick auf die europäische Geschichte genügt. Vor fast zweitausend Jahren hat eine neue Religion das Zusammenleben der Menschen revolutioniert. Christen wurden verfolgt, weil sie an einen Gott glaubten, vor allem aber, weil sie die überkommenen sozialen Strukturen störten. Heute hat diese Religion ihre Macht eingebüßt. Schon vorher hat sich die Philosophie den Sinnfragen gestellt und nebenbei naturwissenschaftlich geforscht. Im Mittelalter hat sie die Naturwissenschaften begründet und sich zunehmend aus der Erklärung der Alltagsfragen gelöst. Heute bestimmen die Naturwissenschaften unser Denken und können vieles doch nicht erklären. Der technische Fortschritt hat uns Wohlstand gebracht. Soziale Not ist bei uns kaum noch Hunger, aber die fehlende Befriedigung eines sozialen Anspruchs.
    Und der Einzelne? Ich kann nur für mich selbst sprechen. Meine Kindheit war kleinbürgerlich, brav, treudeutsch geprägt. Erwachsen wurde ich nach dem Krieg mit der Erkenntnis, dass die Maßstäbe vorher Lug und Trug waren. In den Fünfziger Jahren konnte man beobachten, wie schwer es für die Älteren ist, die neuen Grundsätze mit ihrem Leben vorher in Einklang zu bringen. In den Sechzigern konnte ich im Ausland lernen, wie dort weiter die wirkliche Not wirkte. Und so weiter.
    Mein Fazit? Man muss sich nicht anpassen. Das geschieht ganz von selbst. Man sollte es nur erkennen.

     
  4. Hans Zangl says:

    Müssen wir unsere Werte ständig anpassen?

    Nein, müssen tun wir gar nichts, außer sterben! Aber wer ist mit „wir“ und damit „unsere“ Werte gemeint? Jede einzelne Person, Gruppierungen von Personen wie Familie, Gemeinde, Partei, Sportverein, Stammtisch, Staat oder alle Menschen zusammen? Und was sind eigentlich „Werte“, wie viele gibt es, und welche „müssen“ wir „anpassen“? Und dann auch noch „ständig“, also täglich, wöchentlich, bei jedem Geburtstag oder wann bzw. bei welcher Gelegenheit?

    Und die Werte sollen reaktiv angepasst werden, angepasst an was? An neue Vorgesetzte, an neue Regierungen, an neue Machtverhältnisse im Kleinen wie im Großen? Die Werte können/dürfen nicht aktiv aus eigener Erkenntnis und Erfahrung verändert, ergänzt oder reduziert werden?

    Werte sind für mich Leitplanken und Leitlinien des Handelns wobei nicht jeder Wert in jeder Phase des Lebens, in jeder Organisation, in jeder Entscheidungssituation, in jeder Kultur eine gleich hohe Bedeutung und Handlungsrelevanz hat und haben kann/darf. Die Leitplanken dürfen nicht universell gleich(geschaltet) sein, sie können sich unterscheiden in Abhängigkeit situativer, kultureller wie technologischer Unterschiede und das ist gut so!

    Gleichschaltung und Einengung der Leitplanken ist aber das Ziel und Ergebnis von Macht, von körperlicher, geistig/moralischer, finanziell/ökonomischer oder informationstechnischer Macht. Wer über andere herrschen, wer ihr Tun bestimmen will, muss deren Handlungsrahmen, deren Leitlinien, deren Werterahmen einengen. Und die Beherrschten, die Abhängigen, die „Kleinen“ müssen/sollen/werden sich anpassen!

    Ich will nicht, dass sich andere Menschen an „meine Werte“ anpassen sollen, ich bestimme selbst, welche Werte die Leitlinien für mein Handeln sind und ich passe mich nicht ständig an!

    Und welche Werte sind das, über welche Werte reden wir? Das ist das große Problem dieser leider stark überdimensionierten Frage mit zu vielen Variablen. Weniger ist Mehr! Entsprechend dieser Grundregel künftig bitte einfachere Fragen stellen!

     
  5. Andreas Stocker says:

    Die Wertevorstellungen sind je Kultur und Länder so unterschiedlich wie deren Sprache und für andere Kulturen oft unverständlich, ja verbrecherisch (z.B. Gotteslästerung, Unterdrückung ethischer Minderheiten, der Frauen, Ehrenmorde, etc. etc. etc.). Die weltumspannenden Informationsmöglichkeiten bringen die Wertevorstellungen anderer Kulturen in unsere Wohnzimmer. Wir sehen nicht nur beispielhaft gute Werte, sondern, weil interessanter, reißerischer, in vielen Fällen für uns verwerfliche Einstellungen, die wir gerne ändern würden, ggf. mit Sanktionen. Allerdings waren im Mittelalter die Wertevorstellungen in unseren Breiten auch oft mehr als brutal. Das soll jetzt nichts rechtfertigen, aber das ist nun mal die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass innerhalb einer Kultur, einer staatlichen Gesellschaft das Zusammenleben nur auf gemeinsame Wertevorstellungen funktionieren kann. Diese Wertevorstellungen entwickeln sich kontinuierlich weiter, verbessern sich im günstigsten Fall, unterliegen aber auch oftmals „modischen“ Trends, den andere als aufgezwungen und ggü. der eigenen Lebensweise, Erfahrungen (oft mit Recht ?) als unnatürlich und fremd wahrnehmen. Auch die Entwicklung, dass die Einschränkung individueller Freiheiten zum Vorteil einer Gemeinschaft nicht mehr akzeptiert werden ist vor allem in der westlichen Welt eine solche Entwicklung. Es ist eine wahnsinnige Gratwanderung. Einerseits sind die eigene Wertevorstellungen wichtig für das eigene Leben, das eigene Handeln, Gewissen, Selbstwertgefühl, können aber andererseits nicht völlig losgelöst von den Wertevorstellungen einer ganzen Gemeinschaft gesehen werden. So habe ich im letzten Jahr die Arbeit des Deutschen Ethikrates als sehr interessant und wichtig empfunden.

     
  6. Bettina says:

    Ich finde, die Werte erweitern sich nicht (Buddhismus etc.), sondern sie gehen verloren. Anpassen müsste man sie eigentlich auch nicht, denn welche sollen hinzukommen? Die des Buddhismus etc. sind ja im Grunde auch keine anderen, als wir sie im Christentum sowieso schon haben. Aber wer spricht heutzutage schon ernsthalt über Hingabe oder Nächstenliebe, es herrscht eher Hochmut, Geiz, Zorn, Habgier, Neid, Völlerei, Faulheit und Wollust (die „Todsünden“). Den Wertekanon der Tugenden hätten wir schon im Christentum, im Islam, Hinduismus oder Buddhismus sind es die gleichen. Also anpassen an was, abbauen oder aufmörteln?
    Das Ganze ist hauptsächlich reduziert auf den Egoismus, der Oberbegriff dafür ist vielleicht „Neoliberalismus“ und ist gesellschaftlich gefördert und akzeptiert. Im Gegenteil, wenn Du aus diesem System rausfällst, bis du schnell am Rande der Gesellschaft. Menschen, die die Werte oder die Tugenden leben, sind „Gutmenschen“, übrigens das Unwort des Jahres 2015. Es gibt ja immer noch Strömungen, die dieser Entwicklung entgegenwirken wollen, bis hin zu Mahnungen des Papstes (Hingabe, nicht nur katholisch gemeint). Aber wenn weiteres Bestreben zu mehr Manipulation erfolgreich sein sollten, z.B. wie gestern in den Medien zu lesen war und in England bezüglich der BBC schon beschlossen, z.B. die Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Medien. Dann werden wir mit Nachrichten und Zeitungsartikeln versorgt, die solche Menschen auswählen werden, die nur an Reichweite und Werbeeinnahmen denken. Das Thema zeigt ein Film „Don´t look up“ recht anschaulich, in dem Regierung, Medien und „Soziale“ Medien nur nach diesem Prinzip arbeiten.
    Ich finde, der Islam könnte unseren Wertekanon erweitern, z.B. Achtung vor dem Alter, nicht alles so eng sehen, wie wir, Gastfreundschaft (habe ich – nicht nur) in der algerischen Wüste in geradezu unglaublicher Form erlebt). Die Geschichte des Islam ist auch voll von Geschichten über Toleranz, z.B. gegenüber anderen Religionen. Im Übrigen sind die islamischen Frauen nicht immer so unterdrückt, wie man hierzulande zu glauben weiß, abgesehen von ganz altmodischen oder korrupten (Clan-) Menschen, die es aber in Italien etwa auch gibt. Aber gab es nicht bei uns noch bis in die 70er Jahre noch das Gesetz, dass eine Frau die Erlaubnis des Ehemann zum Arbeiten einholen musste? Der Mann konnte das ablehnen und die Frau hinter den Herd zwingen, wobei ich die Rolle und die Arbeit einer Mutter, die sich ausschließlich mit dem Haushalt beschäftigt, keinesfalls herabwürdige, im Gegenteil! Diesbezüglich hätte man DDR-Werte und Errungenschaften annehmen könnten. Man müsste sich dann aber überlegen, wie man leben will, z.B. als Frau: Mit Karriere und fremdbetreuten Kindern und Fastfood (oder mit Köchin und Nanny falls man reich ist) oder eher mit Brutpflege beschäftigt. Aber diese Entscheidungsfindung ist bei uns wischi-waschi und auch politisch nicht abgeschlossen. Auch sonst gibt es bis heute Ungleichheiten und Diskriminierungen und die Gleichberechtigung der Frau ist auch hierzulande noch ein Kampf und auch Gewalt gibt es zuhauf, nicht zu reden von Kindesmissbrauch, wie ganz aktuell in den Medien, mit dem enorme Mengen Geld im Internet verdient werden.

    Auf der anderen Seite kann man auch fragen, ob wir vielleicht heutzutage nicht toleranter sind als früher, siehe unsere Haltungen zu Sinti, Juden, Schwarzen oder Menschen mit Handicap? Das wäre eigentlich ein gutes Thema „Sind wir toleranter als früher“, falls es früher nicht schon diskutiert wurde.

     

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