Müssen wir zu allem eine Meinung haben?

Ach, wäre das schön.
Wenn wir die Wahl hätten.
Haben wir nicht.
Wir leben in Zeiten
aggressiver
Meinungsverkäufer,
die kein Mittel
auslassen, uns ihre
Meinung anzudrehen.
Die Welt besteht oft
mehr aus Meinung,
als ein Bild aus Pixeln.
Also bleibt nur eins:
Auf in die Abwehrschlacht.
Eine solide Meinung
besteht
aus einer
Behauptung
und einer
Begründung.
Meinungen, die nur aus
Behauptungen bestehen,
rausschmeißen.
Oder, wenn der
Meinungsverkäufer
vor einem steht,
nachfragen:
Begründung, bitte.
Wer dazu bereit und
in der Lage ist,
seine Meinung
zu begründen,
den kann man
zumindest
ernst nehmen.
Erfahrungsgemäß
fallen 90% durch
diesen Härtetest.
Die einfachste
Methode eine
Begründung
einzufordern
und eine
Meinung
zu Fall
zu bringen
hatte der
frühere
Bundeskanzler
Helmut Kohl:
„Woher haben sie das?“
Ausprobieren.

 

20 Gedanken zu “Müssen wir zu allem eine Meinung haben?

  1. Ekkehard says:

    Kommt mir etwas zur Kenntnis, entsteht automatisch eine Meinung, es sei denn ich vergesse es gleich wieder. Natürlich kann ich denken, „davon verstehe ich nichts“ oder „es interessiert mich nicht“. Beides sind aber Meinungen.
    Die bewusste Meinungsbildung setzt ein Mindestinteresse voraus. Da aber beginnen schon die Schwierigkeiten. Wie viele Dinge interessieren uns und was davon können wir aus vorhandenem Fachwissen oder eigener Erfahrung beurteilen? Wieviel Wissen schöpfen wir einfach aus Hören, Lesen, Fernsehen und ist es auch wirklich wahr? Man kann die eigene Meinung durch tiefgreifende Analysen absichern. Man kann sich der Lösung mit logischem Nachdenken nähern. Befragungen und Diskussionen helfen weiter. Am einfachsten scheint es aber, eine Meinung nur zu übernehmen, insbesondere wenn diese am ehesten der eigenen Vorstellungswelt entspricht.
    Die Meinungsäußerung wird durch unser Grundgesetz geschützt. Auch jeder Blödsinn fällt unter die Meinungsfreiheit. Das ist nicht schlimm, wenn nur einige Spielregeln beachtet werden. Dank Internet sind da die Sitten verkommen. Beleidigungen und Drohungen gelten manchen als Meinungsfreiheit und von Telegram werden anscheinend sogar kriminelle Geschäftsvereinbarungen geschützt. Maßgebend für diese Entwicklung ist, dass Äußerungen anonym erfolgen können und die rechtsstaatlichen Regelungen hier nicht durchgesetzt werden können.
    Schließlich geht es noch um die Beeinflussung der Meinung. Werbung, Wahlkampf. Mission sind legitime Anwendungen davon und wer von der Kraft der Überzeugung spricht, hat nur ein sehr schönes Wort dafür gefunden. Es ist schön durch Argumente überzeugt zu werden. Lautstärke und Drohungen gehören nicht dazu.

     
  2. Hans Zangl says:

    Nein, müssen wir nicht!

    WENIGER ist MEHR, Dann gäbe es weniger Geschwätz, weniger Ego, weniger Hass, weniger Unfriede, weniger Neid, weniger Bösartigkeit aber MEHR Frieden und Freundlichkeit, MEHR Zufriedenheit und Lebensfreude, MEHR Miteinander.

     
  3. Karlheinz Raum says:

    Meinung ist ein Teil unserer Persönlichkeit. Aus der Summe der Meinungen bildet sich der Charakter.
    Meinungen entstehen hauptsächlich auf Gebieten, die uns interessieren. Andere Meinungen prallen an uns ab. Sie können uns aber erregen, wenn sie anders sind, als unsere eigenen Überzeugungen. Dann können wir uns ärgern oder sogar wütend sein. Je nach Verfassung. Sind wir entspannt, bleiben wir gelassen. Sind wir gestresst, ist es umgekehrt.
    Wie können wir damit umgehen?
    Es ist gut, dass wir eine Meinung haben. Ich stamme noch aus einer Generation, die keine eigene Meinung haben durfte. Mindestens aber nicht äußern durfte. Das ist Gott sei Dank vorbei.
    Neigt aber seit einiger Zeit dazu umzukippen. Woher kommt das?
    Die Hauptursache liegt daran, dass Medien, Politik und Werbung versuchen, die eigene Meinung, Wünsche und Bedürfnisse auf eigene Interessen umzupolen.
    Die angewandten Methoden sind dabei so raffiniert, dass wir Wahrheit kaum von Lüge unterscheiden können
    Dagegen gibt es nur ein Mittel. Dubiose Meinungen selbst zu überprüfen. Falls die eigene Sachkenntnis dazu fehlt, Informationen aus seriösen Quellen einholen. Vor allem aber nicht ungeprüft weitergeben. Eine gute Meinung ist die, für die wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Selbst dann, wenn sie sich hinterher als falsch erweisen sollte.
    Wichtig ist immer die Beweisführung, die die Meinung glaubwürdig macht.

     
  4. kuhn hans-peter says:

    Bei den Meinungsverkäufern herrscht Hochkonjunktur!

    Im Dschungel der Phänomene einer komplexen sozialen Umwelt sind Meinungen Orientierungshilfen, die uns ermöglichen auf dem (unserer Ansicht nach) richtigem Weg zu bleiben.

    Intuition, Instinkt oder Bauchgefühl, kurz Heuristik, stehen schnell zur Verfügung, sind aber eher fragwürdige Führer durch die Wildnis.

    Nachdenken, Diskussionen mit dem sozialen Umfeld, Zuhören, eigene Urteilsbildung, bieten keinerlei Garantie, sind jedoch empfehlenswert, frei nach Kahnemann „Langsames Denken und Schnelles Denken“.

    Der dritte Weg führt direkt in den Supermarkt der Meinungen. Wie sagte irgendein Journalist nach dem Theaterbesuch „… morgen lesen wir dann in der Zeitung, ob es uns gefallen hat.“

    Wir brauchen Meinungen. Wie wir sie bekommen, steht zur freien Auswahl!

     
  5. Bettina says:

    Hat man sich hier nicht philosophisch mit dem Begriff beschäftigt? Oder wolltet Ihr die Frage im profanen Sinn stellen und auch beantwortet haben…dann wär dies obsolet…

    Ich glaube, mit „mein“, „dein“ usw. seid Ihr auf dem Holzweg (weiter unten geht´s zu Sokrates und zu einem Kernsatz, der oft als Parodoxon betrachtet wird, was er aber nicht ist). Aber zuerst zum Begrifflichen:

    In meinem heißgeliebten Knaurs Herkunftswörterbuch finde ich „Meinung“ unter „Dogma“ („Dox“ – siehe unten), es bedeutet Glaubenssatz, kirchlicher Lehrsatz“, mit dem Anspruch unbedingter Gültigkeit, aus griechisch „dogma- Meinung, Grundsatz, Lehrsatz“ und „dokein-glauben, meinen“, Ableitung von „dechesthai- aufnehmen, annehmen, erwarten“.

    Früher wurde es wie „Vorhaben“ und „Absicht“, von (freundlicher oder übelwollender) „Gesinnung“ und von „Werturteil“ verwendet, siehe Friedrich Schiller, Wallensteins Tod:
    „BUTTLER. Wisst Ihr andern Rat, des Kaisers Meinung zu vollziehen?“
    (Friedrich Schiller: Wallensteins Tod. 4. Akt, 6. Auftritt)
    „LEICESTER. […] Der Rang, den ich bekleide, das Vertrauen, wodurch die Königin mich ehrt, muß jeden Zweifel in meine treue Meinung niederschlagen.“
    (Friedrich Schiller: Maria Stuart. 4. Akt, 6. Auftritt)
    …und Kleist: „WALTER. […] Ihr gebt mir schlechte Meinungen, Herr Richter.“
    (Heinrich von Kleist: Der zerbrochne Krug. 7. Auftritt)

    Im Englischen: Meinung = meaning = belief = Glauben.

    Jetzt wird es spannend: Sokrates war enttäuscht von der Naturphilosophie und wandte sich dem Logos, also der vernünftigen, wissenschaftlichen Betrachtung zu. Er kommt durch verschiedene Überlegungen dazu, dass er durch den Logos zur Erkenntnis des Wesens der Dinge gelangt, wobei er Wissen (episteme) von Meinung (doxa) unterscheidet. Im Dialog möchte er dieses Wissen sozusagen herauskitzeln und so die Erkenntnis erzeugen, dass der andere „weiß, dass er nichts weiß“! Weil durch den Dialog Schein- und Pseudowissen vom Logos getrennt werden kann und Meinungen durch Argumengte neu hinterfragt und beurteilt werden können.
    So schließt sich der Kreis und wir sind bei den Schwurblern angelangt – und last, but not least, ich weiß, dass ich nichts weiß.

     
    1. Detlev Six says:

      Das, was du (in diesem Fall) betreibst, ist, Philosophie zu studieren. Anerkannte Quellen, von akademisch gebildeten Menschen aufzugreifen, zu verstehen und dein Verständnis dem Stammtisch mitzuteilen. Wir – am Stammtisch – wollen philosophieren, das heißt Fragestellungen aus dem Leben aufgreifen und die mit unseren Mitteln der täglichen Erfahrung behandeln und begreifen – als Amateure (kommt aus dem Lateinischen und heißt Liebhaber). Dass wir dabei zu völlig anderen Ergebnissen kommen (können) als die Profis (die du zitiert hast)liegt auf der Hand. Beide Methoden – (fremdgeschriebene) Philosophie zu studieren oder selbst zu philosophieren, sind denkbar und machbar. Ich bevorzuge die Amateur-Methode des Philosophierens. Im Gegensatz zur Profi-Methode des Quellenforschens, das akribische, schließende Fähigkeiten erfordert, fördert die Amateur-Methode des Philosophierens die Kreativität, das schräge Denken, die Überraschung, den absoluten Lebensbezug und die Entwicklung einer Argumentationsfähigkeit, die sich dem selbständigen Denken und nicht der Wiedergabe fremden Denkens widmet.

       
      1. Bettina says:

        Aye, Aye, Käpt´n, das habe ich verstanden!

        Ich habe allerdings die Frage nach der Profanität gestellt und meinen Beitrag gleich prophylaktisch als obsolet klassifiziert.

        Ich fand es halt interessant, dem Wort hinterher zu forschen. Gerade dieses Studium hat mich jetzt angefixt. Das nächste ist für mich, Platons „Politeia“ zu lesen (das Gute suchen, die Gerechtigkeit im Staat verwirklichen – vom Großen zum Kleinen gehen und vom Kleinen zum Großen). Das bestärkt mich in m e i n e r (?) M e i n ung, dass das Politische die Gesellschaft bis hin zur Familie durchdringt (durchdringen sollte) und jeder daran mitarbeiten sollte (z. B. die Werte nicht dem schnöden Mammon zu opfern). Und diese Gedanken sind von den Philosophen entwickelt worden, Sokrates vor Platon.

        Wenn Ihr das zu spürhundmäßig findet und nicht zu Eurer Diskussionskultur passend, scheint die Maxime Intuition zu sein, dem Bauchgefühl folgend.

         
        1. Detlev Six says:

          Zu unserer Diskussionskultur passt durchaus jede Methode, die dem Erkenntnisinteresse dient. Ich glaube auch nicht, dass ich deine Methode abqualifiziert habe. Die Pluralität der Methoden sollte der Pluralität der Gesellschaft folgen. Und jetzt lasse ich auch einmal meine ununterdrückbare, rationale Vor-Belesenheit (als von dir angedeuteten Kontrast zur Intuition) raushängen, so wie es der Methoden-Anarchist Paul Feyerabend ausdrückte: anything goes

           
      2. Bettina says:

        Übrigens, den letzten Satz „last but not least….“ wollte ich gar nicht schreiben, er stammte aus dem Entwurf! Ich wollte mich nicht gleichtun mit den antiken Denkern und geflügelte Ausdrücke adaptieren!

         
      3. Hans Zangl says:

        Diese Meinung ist nicht nur überflüssig im Sinne der Fragestellung dieser Woche, sie offenbart zugleich ein oberlehrerhaftes Verhalten gegenüber Teilnehmern am Stammtisch und an der Diskussion. „Wir“ am Stammtisch … Hier definiert eine Person was „wir“ unter Philosophie verstehen (sollen).

        Zugleich spricht er anderen Diskussionsteilnehmern die Fähigkeit zu inhaltlich anspruchsvoller philosophischer Behandlung von Themen ab und disqualifiziert sie zu „Philosophiestudenten“ (die noch viel von den Profis lernen müssen).

        Ich möchte nicht, dass sich dieser Stammtisch zu einem „Schwurblerstammtisch“ entwickelt. Die „philosophischen“ Fragestellungen der letzten Zeit geben aber leider Anlass zu Sorge.

         
        1. Bettina says:

          Das „Wir“ ist mir auch aufgestoßen. Ich und Wir sind die ausschließenden Worte gegenüber dem Du und Ihr. Da ist sie schon, die Spaltung. Das ist es doch, was die Philosophen nicht wollten, sondern den Dialog, den Disput.
          Ich finde es halt extrem interessant, wie sich die Sprache bildet und woher die Begriffe, die wir ständig verwenden, genau herkommen. Die meisten aus dem Griechischen oder Lateinischen, und das bildet einen Grundstock unserer Kultur und unseres Sprachgebrauchs und auch des Denkens, würde ich sagen, genauso wie das Christentum, das uns genauso definiert. Diesen Prägungen können wir nicht entkommen, genausowenig wie z.B. ein Asiat oder jeder andere seine spezifische kulturelle Prägung nicht verleugnen und ablegen kann. Und die Wurzeln dieser griechisch-römisch-jüdischen und sonst noch was Kultur interessieren mich, auch semantisch.

           
    2. Karlheinz Raum says:

      Wenn ich den Urprung von Meinung dem Mein zuordne, so ist das meine Meinung. Dazu brauche ich weder schlaue Lexika noch Sokrates.
      Es ist mir eigentlich wurscht, ob das jemand dem Wissen oder dem Dogma zugeordnet hat. Interessant erscheint mir der Ansatz, dass Meinung zum Scheinwissen zählt, weil sie jederzeit geändert werden kann (wie es Adenauer zugeschrieben wird), „Was gebe ich auf mein dummes Geschwätz von gestern“.
      Eben eine Opinion und last not least, kein Faith, wie die Engländer meinen.

       
      1. Bettina says:

        Lieber Karlheinz,

        Du hast doch gar keine Mein-Meinung erwähnt, aufgrund dessen ich Lexika gewälzt und Sokrates bemüht habe. Und eines meiner Lieblingsbücher ist einfach das Herkunftswörterbuch. Wenn ich das aufschlage, geht der Spürhund mit mir durch, oder der Student kommt raus (die Studentin natürlich). Aber beim Überprüfen der Meinungen sind wir beieinander, auch der eigenen.

         
        1. Karlheinz Raum says:

          Wir lesen gerade im aktuellen Herkunftswörterbuch; made in Bavaria – „Sauruesselphilophen“. Danke, dass ich dich darin finde.

           
  6. Karin says:

    Wer schafft das schon, zu ALLEM eine Meinung zu haben? Da ist es doch wichtig, nur zu Themen die einen interessieren oder in Schule und Ausbildung geforderte Meinungen zu bilden. Ansonsten darf man wunderbar die Freiheit fühlen, nicht zu müssen, sondern nur zu dürfen und wollen, wenn wir denn auch gehört werden.

     
  7. kuhn hans-peter says:

    Meinungen sind die erste Stufe einer Serie von Mutationen.
    Ums kurz zu machen: Meinung – Glaube – Überzeugung – Dogma – Meinungsdiktatur.

    Wo das Studium von Texten dem freien Denken (philosophieren) vorgezogen wird, ist man auf dem Weg dahin.

    Klosterschule = Meinungsdiktatur!

     
  8. Peter Deller says:

    Natürlich müssen wir nicht zu allem eine Meinung haben. Wir alle kennen Menschen, die gnadenlos, geradezu hochfrequent, Kalendersprüche absondern, um uns zu zeigen, wo sie bildungsmäßig, politisch, kulturell, sportlich oder sozial stehen. Hier als Opfer gegenüber zu sitzen ist unangenehm und oft schwer auszuhalten. Es ist bestimmt nicht leicht für einen Hardcore- Markt- Gläubigen einen Linken auf sich wirken zu lassen. Für einen Gläubigen mag ein Agnostiker bereits Zumutung genug sein.
    Trotzdem finde ich es oft lohnenswert, sich auseinanderzusetzen mit so etwas „Unverschämten “ wie anderen Meinungen.
    Was bestimmt eigentlich unser eigenes Weltbild? Neben den mittlerweile zahlreichen Angeboten an Nachrichten, Kommentaren, Medien aller Art halte ich die Möglichkeit sich durch Zuhören oder vielleicht auch dem Aussetzen verschiedener Meinungen von Menschen geradezu für einen wichtigen Orientierungspunkt. Es kann eben schon Bedeutung haben, was Hinz und Kunz sagen. Wie erlebt ein Mensch mit wenig Einkommen unsere Gesellschaft, was wünscht der sich von der Politik. Warum sehnen sich normale Bürger nach autokratischen Führern, obwohl sie oft keine monetären Probleme haben.
    Auch wenn solche Beispiele keine statistische Aussagekraft haben, finde ich sie zur persönlichen Meinungsbildung sehr wertvoll und ungefiltert.

    Ob Voltaire seinen berühmten Satz (ob er ihm nur zugeschrieben wurde oder nicht): Ich bin nicht ihrer Meinung aber ich würde mein Leben dafür geben, dass sie sie äußern dürfen. Ob er diesem Satz im heutigen Kontext noch Gültigkeit verleihen würde? Da bin ich mir allerdings nicht so sicher.

    Peter

     

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