Was ist verletzender, die Wahrheit oder die Lüge?

Waffen verletzen.
Die Wahrheit.
Eine grobe Waffe.
Verletzt mit einem
gewaltigen Hieb.
Die Lüge.
Eine raffinierte Waffe.
Ausgefeilte Technik.
Setzt kleine Wunden.
Wer nur auf das Schwert
setzt, ist entweder Moralist
oder Wirklichkeitsfremder.
Wer nur das Florett
benutzt, macht ein
Zusammenleben unmöglich.
Wer beide richtig
zum richtigen Zeitpunkt
in der richtigen Dosierung
einsetzen kann,
hält Verletzungen so
gering wie möglich.
Verletzungsfrei kommt
niemand durchs Leben.
Und wenn man Waffen
ganz abschaffen würde?
Träumen darf man.
Aber nicht zu lange.
Der nächste mit Waffe kommt
schon um die Ecke.

 

4 Gedanken zu “Was ist verletzender, die Wahrheit oder die Lüge?

  1. OSKAR WRAGE says:

    Wenn es eine Frage gibt, deren Beantwortung mit: “das kommt darauf an” beginnt, dann zählt das Thema- was ist verletzender, die Wahrheit oder die Lüge – ganz sicher zu den Klassikern.

    Soll oder darf ich einen sterbenden Menschen (auf seine Frage) grundsätzlich über seinen tatsächlichen hoffnungslosen Zustand aufklären, um als Person zu gelten, dessen oberste Tugend die Wahrhaftigkeit ist? (…) oder darf und sollte dieser ethische Wert nicht besser der Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit “geopfert” werden, um schwerstkranken Mitmenschen nicht auch noch den letzten Rest an Hoffnung zu nehmen?
    Lügen im Sinne des 8.Gebotes, “du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten”, ist dagegen die verwerflichste und verletzendste Variante der Lügerei im täglichen, privatem Umgang miteinander.
    ” Der Zweck heiligt die Mittel…. ” (Machiavelli), die Anleitung und Umsetzung, die Lüge (modern Fake News) als “pragmatisches” Mittel im Kontext mit der Staatsraison und der politischen Auseinandersetzung hemmungslos anzuwenden, erlebt derzeit eine gigantische Progression. Die aus Lügen generierten Verletzungen für die gesamte Menschheit sind uns aus der Geschichte ja hinreichend bekannt!

    Die Wahrheit hat naturgemäß weit weniger Kapazitäten als die Lüge!

    Die Anforderungen, um sich wahrheitsliebend – und orientiert in die Gesellschaft einzubringen, sind allerdings nicht viel weniger hoch. Der Übergang vom – die Wahrheit aussprechen zur Taktlosigkeit und Tölpelhaftigkeit – ist nicht selten fließend. Als “Leitplanke”, der Verpflichtung zum ethischen Handeln, ist sie natürlich unverzichtbar! Es ist eine allgemeingültige Erkenntnis, dass Lüge und Wahrheit in all ihren Variationen Wesensmerkmale des zivilisierten Zusammenlebens sind. Bei der moralischen Bewertung — KOMMT’S HALT DRAUF AN …..

     
  2. Kuhn Hans-Peter says:

    Wer im Umgang mit Menschen immer vom vom Schlechtesten ausgeht, verschafft sich keine Freunde, erspart sich jedoch Enttäuschungen!

    Der Redakteur des Themas wird mir verzeihen, dass ich hier mal diese Position beziehe. Also, ich habe den Eindruck, dass sich der Fragesteller Klarheit verschaffen will über die Wirksamkeit der Waffen, die ihm im Lebenskampf so zur Verfügung stehen.

    Die so genannte Wahrheit, ist die Waffe des brüllenden Angriffs. Mit schlagbereiter, moralischer Keule wird der Gegner frontal angegangen.

    Die Lüge ist eine Waffe der Verteidigung, der abblockende Schild mit dem man sich schützt. Schutzbehauptung ist ja im Sprachgebrauch ein gängiges Synonym für Lüge.

    Lügen ist anspruchsvoll, es erfordert Erkenntnis und Kreativität. Man muss erstmal kapiert haben, dass es nicht erforderlich ist, die Wahrheit zu sagen und auch noch eine plausible Lüge auf die Beine stellen, die den wilden Angreifer aufs Kreuz legt.

    Wahrheit hat keine Qualität! Es gibt keine gute oder schlechte Wahrheit. Eben nur die Wahrheit… Lügen haben Qualität. Das gut lügende Kind vermeidet nicht nur die Strafe der Eltern, sondern bekommt vielleicht sogar eine Entschuldigung. Wer schlecht lügt, bekommt nur noch mehr Prügel…

    Wer das Blaue vom Himmel herunterlügen kann, wird es weit bringen, bei Verhandlungen unter Kaufleuten, Diplomaten und Politikern. Tauschen und Täuschen, der Unterschied ist gering, nur 2 winzige Punkte…

     
  3. Karlheinz Raum says:

    Den letzten Stammtisch fand ich spannend, interessant, hilfreich und amüsant, aber es gab auch ein paar Dinge, die störend wirkten und das hing mit der Zahl der Teilnehmer zusammen. Bei größeren Gruppen (ab 10) ist es zwingend erforderlich, Regeln zu beachten.
    In der zwischenmenschlichen Beziehung beginnt es bereits ab zwei, ob man miteinander Karten, Fußball, Freundschaft oder gar Ehe spielt. Es funktioniert nichts ohne Regeln. Sonst spielt jeder sein eigenes Spiel. Bis 10 Personen kann man es laufen lassen, so lange sich keine Falschmeldung oder Mißbrauch (Foul) breitmacht. Es ist nicht soo wichtig, ob man sich kurz faßt oder die Frage beantwortet (Detlev), oder etwas weiter ausholt (Hans). Entscheidend ist der Beitrag, wenn er hilft, dabei Erkenntnis zu erzielen (ohne wäre es reine Unterhaltung/Stammtisch).
    Störend sind viel mehr ständige Unterbrechungen von “Experten”, die keine Gelegenheit auslassen, ihre eigenen Meinung zusätzlich einzubringen. Damit wir uns richtig verstehen – Fachleute sind wichtig für einen Faktencheck, um Desinformation zu vermeiden, aber sobald sie andere hindern, ihren Wissenstand zu verkünden, behindern sie die Vielfalt unserer eigenen Ideen.
    Die provozierende Frage, ob Lüge oder Wahrheit verletzender sei, hat wohl einige überfordert (auch mich), denn es geht immer um die Wahrnehmung unserer Sinnesorgane. Beim Thema Wahrheit sind es hauptsächlich unsere Augen und an 2. Stelle die Ohren. Für Kleinkinder ist alles wahr, was sie sehen, denn das ist ihre Realität. Beim Hören wird es schon schwieriger, denn ein Kind kann noch nicht erkennen, ob Eltern lügen. Also müssen sie glauben, dass es wahr ist. Sie merken aber sehr schnell, wenn Erzieher die Wahrheit umgestalten (wenn Wort und Tat nicht übereinstimmen) und dadurch erfolgreich Vorteile erzielen. Sie sind ja nicht dumm, sondern sehr erfinderisch, um auch schneller zum Ziel zu kommen.

     
    1. Detlev Six says:

      Das Thema des letzten Abends hieß nun einmal nicht “Wahrheit und Lüge” sondern “Verletzung durch Wahrheit und Lüge”. Damit ist automatisch der öffentliche Raum mit seinen Funktionsträgern aus Politik und Polizei ausgeschlossen, die einen großen Raum in der Diskussion einnahmen. Wer bei Politik und Polizei durch Angriffe verschiedenster Interessengruppen sich verletzt gibt, hat seinen Job nicht verstanden. Provokation (und eventuell versuchte Verletzung) ist im Jobprofil enthalten und sollte immer zu einer professionellen Reaktion führen. Was nicht für den privaten und persönlichen Bereich gilt. Zum Beispiel der Umgang mit kranken und sterbenden Menschen, die man kennt. Wir können anfangs des Abends durchaus Beispiele aus dem öffentlichen Raum (also zu Politik und Polizei) zur Klärung der Begriffe Wahrheit und Lüge anführen – aber nicht immer und immer wieder, wenn die Beispiele nicht neues bringen. Genau an der Stelle habe ich etwas rüde eingegriffen und Kürze und Thementreue angemahnt. Philosophische Stammtische werfen überwiegend Begriffe wie Freiheit, Gerechtigkeit oder eben Lüge und Wahrheit in die Diskussion und lassen sie dann ohne Einschränkung diskutieren. Wir sollten weiter gehen und mit einer einschränkenden Frage-Formulierung (die wir ja hatten) erstens das Zuhören verbessern, zweitens die Argumentation schärfen. In den Zeiten, in denen so viel aneinander vorbeigeplappert wird, wäre das ein Fortschritt, der uns letztendlich auch vor der Manipulation durch andere schützt.

       

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