Was wäre, wenn es keine Notlüge gäbe?

Die Welt kennt
zwei Zustände.
Chaos.
Ordnung.
Wir tun alles,
dem Chaos eine
Ordnung
abzuringen.
Wir.
Kategorisieren.
Klassifizieren.
Wir
denken uns
dauernd
Theorien aus,
welche uns
die Welt
erklären
sollen.
Unserer Welt
Halt verleihen.
Eine davon
ist die
Wahrheitstheorie.
Dann stellen
wir fest.
In der reinen
Lehre funktioniert
sie nicht.
Nur mit Krücken.
Eine
der
Krücken
heißt
Notlüge.
Gäbe es sie
nicht,
hätten wir
uns längst
gegenseitig
die Augen
ausgekratzt
und würden
blind
durch das
Chaos tapern.

 

10 Gedanken zu “Was wäre, wenn es keine Notlüge gäbe?

  1. Karlheinz Raum says:

    Was genau ist eine Notlüge? Meine eigenen Gedanken dazu.
    Es handelt sich um einen Kompromiss, weil man uns als Kind beigebracht hat; „“Du sollst nicht lügen“.
    Man merkt aber ziemlich schnell, dass es schaden kann, immer die Wahrheit zu sagen.
    So lernen wir, die Reaktionen anderer Menschen einzuschätzen. (eigene Verträglichkeitsstudie) und entdecken dabei, dass nicht alle Menschen so edel sind, wie sie aussehen oder wirken.
    Die Natur hat uns mit 3 Grundanlagen ausgestattet, die man nach Trieb, Vernunft, sowie Entscheidungsfähigkeit unterscheidet.
    Es liegt also an uns, welche wir davon anwenden.
    Bei Anwendung von Vernunft, übernehmen wir Verantwortung. Beim Trieb bleibt uns die Ausrede, dass wir nichts dafür könnten oder es Schicksal sei.
    Diese 3 wichtigen Grundeigenschaften entwickeln sich sehr unterschiedlich, je nach Erziehung und Bildung.
    Das Höchstmaß (Weisheit) wird nur von wenigen erreicht. Um trotzdem nicht überall anzuecken, hat sich die Notlüge als brauchbares Instrument erwiesen, den sozialen Frieden zu bewahren.
    Sie wird überwiegend in au face Kontakten angewandt und verblasst bei anonymen, wie z.B. social media.
    Die Schlussfolgerung daraus ist, das wir bei persönlichen Kontakten oft die Notlüge anwenden, weil wir es vernünftig finden, mit Höflichkeit, Diplomatie, Etikette, Schmäh, den Schein zu wahren, während wir anonym, dazu neigen unsere gute Erziehung zu vergessen.
    Damit haben wir ein gutes Gefühl und unser Gewissen ist beruhigt.

     
  2. Ekkehard says:

    Alle Menschen lügen sagt man, vielleicht, weil man im eigenen Umfeld keine Wahrheitsfanatiker kennt oder wünscht. Zum Glück sind diese Lügen meist Notlügen.
    Notlügen sollen schützen oder Peinlichkeiten verhindern. Sie sollen aber niemandem schaden. Als Petrus Jesus verriet, waren dies wohl Notlügen. Wer aber eine Tat leugnet, für den gilt das nicht.
    Wie aber wäre es, wenn es Notlügen nicht gäbe?
    Wenn nur die echten, bösen Lügen übrig blieben, würde der Gegensatz zwischen Wahrheit und Lüge erhöht, weil beiden plötzlich der weiche Rand fehlte. Pietistisch angehauchte Menschen könnten jubilieren, gemütlichere Typen wären vielleicht verunsichert.
    Das gesellschaftliche Zusammenleben erhielte Störungen. Vorher konnte man einer unerwünschten Einladung ausweichen, vielleicht weil man plötzlich Fieber und Husten vorgab. Mitleid war einem fast sicher! Jetzt aber musste man sagen, dass man nicht kommen mag, was nicht unbedingt gut ankam.
    Auch im Alltag oder im Berufsleben gab es manchmal diese kleinen Lügen. In den letzten Jahren meiner Tätigkeit war ich, wenn mich Neukunden danach fragten, immer 64 oder 65 Jahre alt und gewillt noch einige Jahre zu arbeiten. Mit 76 habe ich dann aufgehört. Hätte ich die Geschäftspartner durch eine ehrliche Altersangabe erschrecken sollen? Das hätte nur gestört.
    Dann gibt es noch die sehr ernsten Notlügen; Menschen die verfolgt werden und denen hoffentlich etwas einfällt um sich und die ihren zu retten.
    Diktaturen sind, wenn sie sich behaupten wollen, auf zwei Menschengruppen angewiesen: Die Denunzianten und die stillen Gegner, die Solidarität nur vortäuschen und somit lügen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man bei uns schon mal gefragt, warum sich die Alten nicht gewehrt haben. Aber war es wirklich die Aufgabe von Bürgern, ihr Leben und das der Familie zu riskieren, für eine Freiheit, für die auch die anderen nicht kämpften?

     
  3. Elli says:

    Ist eine Notlüge etwas anderes als eine Lüge? Die Bibel bezeichnet sie als ein “falsches Zeugnis geben, wider den Nächsten” (2Mo 20,26). So entsteht Lüge im Umgang mit andern, spontan als Notlüge, vor Gericht als folgenschweres Vergehen am andern. Vergehen bleibt es allemal. Lüge bricht das Vertrauen. Lüge verführt. Wie kann man sie im Alltag begrenzen?

    Sollte man vielleicht sagen: “Darüber muss ich erstmal nachdenken…” oder “darüber muss ich erst eine Nacht schlafen”

    Sind wir nicht täglich verlogen, weil wir besser da stehen wollen als andere? Dabei trennt uns jede Lüge vom guten Miteinander. Was macht Freundschaften wertvoll? Es ist doch das Vertrauen, das man sich gegenseitig gibt. Hast du einen Freund schon mal belogen? War ab dem Zeitpunkt etwas zwischen euch?

    Es ist doch wertvoll, darüber nachzusinnen, wozu Lüge gut sein soll…

     
    1. Karlheinz Raum says:

      Bei dem zitierten Bibeltext handelt es sich nicht direkt um Lüge, sondern um üble Nachrede. Es ist aber sehr umstritten sich auf die Bibel zu berufen, denn deren Inhalt besteht mehr aus Mythen und Überlieferungen, denn auf Fakten. Die Wahrheit bezieht sich aber auf Fakten. Das ist zu bedenken ….

       
  4. Karlheinz Raum says:

    Beim Nachdenken ist mir gerade noch eine Kurzformel eingefallen, die zwar nicht die gestellte Wochenfrage direkt beantwortet, aber verständlich erscheint;
    Notlüge, zu der auch die Ausrede zählt, ist dekorativ verpackte Lüge, die in allen Kulturkreisen als solche toleriert wird.

     
  5. Do Pfrogner says:

    Dann müßte man sie erfinden. Sie glättet Schocks beim Fragenden und mildert kurzfristig brutale Wahrheiten. Ich denke da auch an Kinder, die aus Selbstschutz oft Geniales erfinden.

     
  6. Elli says:

    Dass Lüge toleriert wird und üblich ist, keine Frage.
    Doch wer will denn gerne ständig belogen werden oder falschen Lehrern folgen?
    Irgendwo muss doch die Wahrheit zu finden sein, dachte ich und ich habe sie gefunden – im Wort Gottes. Es ist sehr verständlich für den, der glaubt.

     
    1. Karlheinz Raum says:

      So ist es, liebe Elli. Woran wir glauben, ist für uns verständlich.
      Es bedeutet aber nicht, dass es wahr ist. Das ist das Problem.
      Welcher Lehrer hat richtig interpretiert ? Welcher falsch ?
      An den Früchten sollen wir sie erkennen. Sind damit die Taten gemeint ? Vermutlich nicht die Worte.

       
  7. kuhn hans-peter says:

    Mit dem Begriff “Notlüge” kann ich nichts anfangen. Er klingt wie eine Rechtfertigung für das Lügen, dass ja angeblich verboten ist.

    Verbotene Güter sind sehr begehrt, folglich wird die Lüge reichlich verwendet. Notlagen, die sie angeblich rechtfertigen, sind nur allzu leicht produzierbar.

    Lügen ist auch ein Zeichen von Intelligenz. Der Lügner hat nämlich kapiert, dass es überhaupt nicht erforderlich ist die sogenannte Wahrheit zu sagen, wenn sie nicht überprüfbar ist.
    Ein Kind beginnt zu denken, wenn es anfängt zu lügen.

    Sollte man deswegen seinen Nachkommen für die erste Lüge gratulieren?

    Eigentlich lügt man nur in Notsituationen.

    Deswegen sollte die Frage lauten: “Was wäre, wenn es keine Lüge gäbe?

    Detlev hat die Antwort gegeben. Dann gäb’s Chaos.

    Also, weiterlügen!!!!!!

     

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