Werfen wir vor lauter Rücksichtnahme zu viele Wattebällchen?

Die Forderung nach
Rücksichtnahme ist oft
Ein.Sich.Drücken.
Lass mich in Ruhe.
Ich will’s nicht wissen.
Da sind sogar
Wattebällchen
Handgranaten.
Realitätsverweigerung
zugunsten der eigenen
Wahrheitspflege.
Passend dazu
kommen aus
soziologischen
Brutanstalten
trickreiche
Erfindungen
wie Cancel Culture
(frei übersetzt:
Kulturzensur),
die diese
überempfindlichen
Gemüter zusätzlich
vor unangenehmen
fremden Meinungen
bewahren sollen.
Es ist richtig,
Sexismus oder
Rassismus
entschlossen zu
bekämpfen, aber
dafür sind weder
Vogel-Strauss-Nummern
sinnvoll noch
Taschenspielertricks.
Es genügt, mit einer
klaren Sprache auch
einmal ins Risiko
zu gehen.

 

8 Gedanken zu “Werfen wir vor lauter Rücksichtnahme zu viele Wattebällchen?

  1. Karlheinz says:

    Rücksichtnahme
    unter diesem Stichwort sollte am Mittwoch, über den Umgang mit anderen Menschen philosophiert werden. Das Impulsreferat, war etwas kompliziert, verschachtelt und mit „neuen“ Termini belegt, so dass man selbst nach einer Stunde noch nicht zur Sache kam. Als ich wagte, dass Benehmen etwas mit Bildung zu tun hat, wurde heftig widersprochen. Selbst die Erläuterung, dass die häusliche Erziehung, zusammen mit der Schulbildung das Fundament unserer Bildung sei, kam nicht an.
    Was ist passiert? Bei Veronika funkte es, mit dem Einwurf, dass es mit Herzensbildung zu tun hätte. Vielleicht läge es gerade daran, dass deswegen in Bayern und Österreich ein unterschiedlicher Umgangston herrscht? Trotz ähnlicher Schulsysteme.
    Der Wiener Schmäh wäre danach so ein Wattebällchen, das den Umgang miteinander erträglicher macht. Er ist zwar manchmal sarkastisch, was beim Wiener humorvoll bedeutet. Mir ist „Verehrtester“ lieber, als „oida Orsch“.
    Global betrachtet, kann man feststellen, dass der Umgangston derber wird und ein Zusammenhang. Der Mensch wird zum Objekt. Die Wortklauber haben Hochkonjunktur. Da kann man Rassismus, Feminismus, Nationalismus, Pazifismus, Impfablehnung, Gendern und Agnostizismus gleich mitabarbeiten und auf Watte verzichten.
    Benimm war gestern.
    Ursache? Mit dem Wohlstand wuchs der Egoismus – verschwanden Monarchien. Mit Ihnen die höfische Etikette (auch Höflichkeit genannt). Den Dolchstoss geben die „sozialen Medien“.

     
  2. hans-peter kuhn says:

    Rücksichtnahme und Wattebällchen sind die Schützengräben und Kanonenkugeln der „Political Correctness“.
    Unter dem Mantel der Feinfühligkeit setzt sich die letztere rücksichtslos über sprachliche Gepflogenheiten und traditionnelle Gebräuche hinweg, mit dem Ziel der Rücksicht auf alles und jeden.
    Ihr Bayern und ich Preusse, wir bevorzugen die kernige, saftige, schnörkellose Ausdrucksweise.
    Das sei gelobt!!!

    Herr Ober, noch eine Runde bitte!

     
  3. Peter Deller says:

    Hans-Peter Kühn trifft den Kern. Ein Zuviel an „Political Correctness“ ist nicht mehr der Geist Rousseaus und Voltaires, sondern das sind neue Jakobiner. Ein Hoch auf die Schönheit verbaler Rauflust.
    LG Peter

     
    1. Hans Zangl says:

      Lieber Peter
      verbale Rauflust bedeutet übersetzt, wer setzt sich verbal durch, welche Argumente „überzeugen“, wer bekommt „recht“, wem fliegen die Herzen zu, wer wird gewählt, wer wird „siegen“, wer ist der lauteste. In der Philosophie geht es aber nicht darum, wer und was sich aktuell, kurzfristig „durchsetzt“, was gerade Zeitgeist ist, in der Philosophie sollte es um wertfreie Erkenntnisse des „Seins“ gehen.

      Erkenntnisse, die sich auf der Basis von fachlich fundiertem Wissen und Argumenten bilden. Diese Erkenntnisse ohne Rücksichtnahme auf sog. Empfindlichkeiten gegenüber anderen Personen einerseits fachlich klar zu vertreten und andererseits die Erkennnisse der Gesprächspartner ebenfalls ohne Empfindlichkeiten aufzunehmen und für seine eigene Erkenntniswelt zu verarbeiten, das verstehe ich unter Philosophie. Dieses Verarbeiten von Argumenten anderer Personen ohne persönliche Bezugnahme und Wertung von Aussehen, Bildungsgrad, Religion, politischer Richtung, Beruf, Rasse etc, das ist Philosophie, da muss man nicht verbal raufen.

       
  4. Karlheinz says:

    Renovierter Stammtisch. Reality Show statt Philosophie. Man muss nur die Kiste weit genug öffnen, damit für jeden etwas dabei ist. Wie auf der politischen Bühne. Je derber und lauter, desto mehr wird geklatscht oder gebuht. Ohne Metaphysik. Ohne Gott. Das Forum wird zur Entsorgung eigener Überzeugungen, statt Ladestation neuer Ideen. Nachdenken verkümmert. Statt Moderatoren sind Showmaster erwünscht. Statt eigener Gedanken werden Kommentare zu likes oder dislikes. Das sind die neuen Schützengräben. Mit dem Daumen werden Wattebällchen geworfen. Rücksichtslos.
    Sensible Gemüter sind da nicht mehr gefragt. Für Philanthropen und Soziologen wird es eng. Sie werden als Kulturzensoren empfunden. The show must go on.
    Es ist tatsächlich eine Zeitenwende – nur anders herum. „Retour à la nature!“ aber ohne Geist.

     
    1. hans-peter kuhn says:

      Lieber Karlheinz,
      bravo, Dein post lässt die Sau raus…
      Zum Inhalt kann jeder denken, was er will…
      Eins steht fest: Redaktion, Stil, Struktur und Dramaturgie sind hervorragend.
      In diesem Sinne ist es mit grossem Abstand der beste post, den Du je geschrieben hast.
      Warum? Weil man versteht, was Du sagen willst.

      Weiter so!!!

       
      1. Karlheinz says:

        Danke für die Bewertung. Es ist nur nicht mein Ding, immer die Sau raus zulassen, um verstanden zu werden. Wattebällchen sind mir zu unpräzise. Wilfrid Schmickler, der Mitternachtsspitzen-Star ist da viel deutlicher, den Zeitgeist zu erklären.

         

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