Wie wollen wir leben? (2)

Da war man ohne Chance.
Da konnte man nicht anders.
Da war man machtlos.
Wenn jemand „man“
statt „ich“ sagt“,
dann will er seine
Verantwortung abladen.
Er genießt seinen Opferstatus.
Lehnt die Idee
der Selbstbestimmung ab.
Schuld sind immer die anderen.
Die Evolution.
Die Gesellschaft.
Hoppla.
Die Gesellschaft?
Sind das nicht wir?
Wenn „wir“ statt „man“
alle „ich“ sagen,
ist das nicht ein guter
Anfang für Selbstbestimmung?
Hoppla.
Ist das nicht Egoismus?
Ja, zu viel vom „ich“
ist die Kehrseite
der Selbstbestimmung.
Aristoteles würde sagen:
Wie immer macht die
Mitte die Tugend.

 

10 Gedanken zu “Wie wollen wir leben? (2)

  1. Karlheinz Raum says:

    Thema: Wie wollen wir leben?
    Das gewählte Thema ist offensichtlich bei der Mehrzahl der Teilnehmer (über 20) gut angekommen. Die von Detlev abgefragte Bewertung ergab differenzierte Ergebnisse. Die „Intellektuellen“ waren mehrheitlich positiv, die „Emotionalen“ gemischt, „Pragmatiker“ eher zurückhaltend.
    Diese unterschiedliche Beurteilung soll als Grundlage meiner Beobachtung dienen. Vielleicht wäre das Ergebnis anders ausgefallen, wenn die Schlussfrage anders formuliert worden wäre. Zum Beispiel; „was ist Dir heute Abend für Dein eigenes Leben klar geworden“. Bei einer allgemeinen Frage entspricht das Ergebnis mehr dem Unterhaltungswert und besagt wenig darüber, was der Einzelne aus den vorgelesenen Texten verstanden hat und als Bereicherung für seine eigene Lebensplanung entnehmen konnte. In unserer modernen Gesellschaft geht es überwiegend um Unterhaltungswerte und Einschaltquoten. Danach werden Programme gesendet und es spielt keine große Rolle, ob die Inhalte verstanden wurden. Deswegen haben Comedians Hochkonjunktur und sind dabei Regierungsämter zu übernehmen. In der Wirtschaft ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten, aber man vermeidet noch, dass die Verantwortlichen komisch wirken. In der Politik ist man da schon weiter.
    Bei den unterschiedlichen Beiträge kam natürlich auch der wichtigste Faktor ins Gespräch, nämlich die menschliche Willenskraft, die letztlich darüber entscheidet, wie wir aus der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung gelangen. Für den therapeutische Einsatz ist es m.E. schon fast zu spät. Wenn man es aus eigener Kraft nicht schafft, ist es hilfreicher und kostengünstiger, nach einem Vorbild oder Lehrer Ausschau zu halten, der dabei hilft, sein Leben selbst in den Griff zu bekommen.
    Worauf ich hinaus will, ist zu erforschen, was die Ursache solch unterschiedlicher Bewertungen ist und komme dabei auf den Faktor Zeit. Wenn es in der Philosophie darum geht, Zusammenhänge zu begreifen, so braucht einfach unser Gehirn eine gewisse Zeitspanne, um Inhalte und Texte zu verarbeiten. Mir scheint, dass sogar trainierte Gehirne nicht mehr alle Informationen verarbeiten können. So kommt es , wie in der Automobilindustrie, dass technische Probleme nicht mehr von Ingenieuren gelöst werden, sondern von Informatikern, die mit Algorithmen schnellere Ergebnisse erzielen als Mathematiker mit Logarithmen.
    Das jüngste Beispiel war der Protest von über 60.000 Abiturienten, die offensichtlich gestellte Prüfungsfragen deswegen nicht lösen konnten, weil Ihnen die Zeit dazu fehlte, die ihr Gehirn benötigt, um die gestellten Aufgaben zu lösen. Offensichtlich war der vorangegangene Unterricht/Vorlesung anders gestaltet, als in der Klausur oder es fehlten die Zugänge zu den Daten, die noch nicht im Gehirn verarbeitet waren. Ein Tablet ersetzt leider noch nicht das Denken und ALEXA ist im Examen nicht erlaubt. Diejenigen, die jetzt die Prüfungsfragen untersuchen, haben sicher mehr Zeit, als die Prüflinge, für die das Resultat existenzbedrohend sein kann.
    So sind auch die Erfahrungen, die Hans mit dem japanischen Philosophie Seminar machte, plausibel und beweisen, wie wichtig Zeit ist.
    Mein Vorschlag für zukünftige, komplexe Themen; etwas kürzer fassen zum Denken (auch für Intellektuelle).

    Hoffen wir, dass wir noch genügend Zeit haben, den Klimawandel zu bremsen und die Artenvielfalt zu erhalten.

    Karlheinz

     
  2. Augustinus says:

    Wie wollen wir in Zukunft leben (2). Es stellt sich für mich die Frage, ob wir nicht das Wort wollen durch das Wort können ersetzen müssen. Für die Bestimmung von außen gibt es Parameter, die den Ablauf unseres Lebens bestimmen und diese können wir nur bedingt ändern. Z.B. Der Klimawandel hat sich in Bewegung gesetzt und wird nicht mehr zu stoppen sein. Der Einfluss von KI auf unser Leben. Die weltweite Wanderung der Menschen, bedingt durch den Klimawandel. Die Globalisierung und der Machthunger der Regierenden.

    Die innere Bestimmung können wir wohl steuern. Indem wir herausfinden, woher komme ich, was sind meine Wurzeln, was hat mich ab meiner Geburt geprägt. Welche Talente habe ich, was sind meine Stärken. Wohin will ich gehen, was will ich erreichen.

     
  3. Augustinus says:

    Es würde mich interessieren, welche Möglichkeiten der Klimawandel mit sich bringt, zumindest für die jetzige und die kommende Generation.

     
    1. Karlheinz Raum says:

      Hallo Augustinus
      wenn Du Deine Anmerkung zum Klimawandel etwas präzisierst, kann Dir vielleicht meine Tochter eine Antwort geben, die als Wissenschaftlerin auf diesem Gebiet international tätig ist. Leider ist sie nächsten Mittwoch verhindert. Du kannt mir aber ein Email senden, das ich gerne weiter leite. Wer ist Augustinus ?
      Karlheinz – raum@gmx.eu

       
    2. Detlev Six says:

      Als sprechende Tiere haben wir in der Folge denken und schreiben gelernt – und das Handeln verlernt. Was zuerst einmal gut ist. Denn als ehemalige Reiz/Reaktions-Maschinen haben wir bei jedem bedrohlichen Reiz sofort zurückgeschlagen oder sind geflohen. Wie Tiere es heute noch tun. Jetzt also geriet unsere Reaktion etwas überlegter. Der Nachteil: Jetzt konnten wir auch in Ruhe und aller Langsamkeit überlegen, wie wir reagieren wollten. Schlaue Überlegungen entstanden, kilometerlange Schriften wurden geschrieben, wie zum Beispiel beim Klimawandel. Es dürfte kaum ein weiteres Phänomen geben, bei dem so viel Wissen zusammen kam. Wissen schreit nach mehr Wissen und nach wohlüberlegten Voraussetzungen für das Handeln und nicht nach Handeln. Das Handeln wurde verzögert, verzögert und verzögert. Was tun? Zum Tier konnten und wollten wir nicht zurück, also erfanden wir die Ethik, mit der Überschrift “Wie sollen wir handeln?” Dabei ist das Sollen sehr bezeichnend. Denn jetzt kommen die “Götter der endgültigen Verzögerung” ins Spiel: Gott, Evolution, Gesellschaft. Die sollten die Verantwortung fürs Handeln übernehmen, nicht wir. Und wenn die uns keine Zeichen zum Handeln geben, gut, dann eben weiter zögern. Handeln heißt Verantwortung übernehmen. Um die drücken wir uns durch schlaue Traktate und endloses Schwätzen. Das Wollen im “Wie wollen wir leben?” will die Verantwortung zum Handeln ein klein wenig zu uns verlagern. Nicht mehr und nicht weniger.

       
      1. Karlheinz Raum says:

        Deine Definition mit dem sprechenden Tier gefällt mir und beschreibt verständlichlich unsere Entwicklungsstufe. Einer der Unterscheidungsmerkmale ist das Wollen, das beim Homo Sapiens durch die Entscheidungsfähigkeit ergänzt wurde. Damit ist es sogar möglich, Einfluss auf unsere Triebe zu gewinnen (je nachdem, was stärker ist).
        Was dabei heraus kommt, nennen wir die Tat oder wie Du sagst; “Handeln”. Darüber nachzudenken, was wohl zuerst gewesen sei, brachte mich zum Philosophieren, mit dem vorläufigen Ergebnis, es muß wohl die Tat gewesen sein. Denn es muss zuerst immer etwas geschehen, bevor man handelt oder verhandelt. Daraus entwickelte sich der Handel, der uns Menschen half, einige 1000 Jahre zu überleben, sich auf der Erde zu verbreiten und in Hochzeiten sogar Kulturen zu entwickeln. Dank unserer Intelligenz ist uns sogar gelungen, Waren nicht mehr zu tauschen. In der Übergangseit (bis man Papier bedrucken konnte), hat man noch als Zahlungsmittel Edelmetalle benutzt. Aber die waren alleine durch ihr Gewicht nicht besonders transportfähig und vor allem durch Raub gefährdet.
        Damit mein Kommentar nicht zu lange ausfällt, überbrücke ich die Zeit von ca 100 Jahren, die bis zum heutigen Thema Klimawandel vergangen sind. Das Zeitalter des Bargelds ist nahezu überwunden und über 90% aller im Umlauf befindlichen Zahlungsmittel werden nicht mehr zum Ausgleich von Waren und Dienstleistungen benutzt, sondern für fiktive Werte.
        Eine der letzten Perversionen ist dabei der Handel mit Emissionen.

        Viele Grüße vom Querdenker aus Rosenheim
        Karlheinz

         

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