Wie schaffe ich es, am Stammtisch einsam zu werden?

Fragen
Zuhören
Antworten
Ein Drittel?
Ein Drittel?
Ein Drittel?
Schön wär’s.
Die menschliche
Kommunikation
hat eine
gewaltige
Schlagseite
erreicht.
Fragen und
Zuhören nehmen
vielleicht ein
Zehntel ein.
Neun Zehntel
die Antworten.
Und was für Antworten!
Es sind Behauptungen!
Mit Ausrufezeichen!
Behauptungen über
das richtige Weltbild!
Über die Aspekte
des Daseins!
Über das Rätsel
vom Ursprung
der Dinge und der
Gewissheit des Todes!
Über die Übermacht
des Glaubens und der
Ohnmacht des Wissens!
Über das Vakuum
der Moral und
den Sinn des Lebens –
oder seines Fehlens!
Fragen und Zuhören
dagegen versinken
im Morast der immer
gleichen Antworten.
Für alle am
Stammtisch,
denen Rechthaben
wichtiger ist
als Erkenntnis,
gibt es jetzt
eine wunderbare
Erfindung:
Den Chatbot.
Das ist ein Roboter,
mit dem man sich
unterhalten kann.
Er gibt einem
immer recht.
Ab 10 Euro im Monat.

6 Gedanken zu “Wie schaffe ich es, am Stammtisch einsam zu werden?

  1. Karlheinz Raum sagt:

    Etwas Neues entsteht im Saurüssel. Ich nenne es; „post table facts“.
    Gefühlte Wahrheiten als Kommentar. Ohne Rechthaberei am Stammtisch.
    Ohne Widerspruch. Ohne Unterbrechung. Ohne Zeitvorgabe. Kein Kopfschütteln.
    Kein neues Weltbild. Eine Bühne für Individualisten. Nur ein sanftes „lieber Detlev …“.
    Das Erstaunliche dabei ist, dass jeder Kommentar das Ergebnis eigenen Denkens ist.
    Erkenntnis pur. Super!!! Keine Zitate, Google, ohne KI.
    Da ist Chatbot chancenlos.
    Nur der Stammtisch verkümmert dabei. Schade.
    Damit stirbt das Miteinander —– und das Fragen.

  2. Karin Kraft sagt:

    Lieber Detlev, ich gebe dir in Vielem recht, wenngleich der Begriff der Einsamkeit nur insofern für mich passt, als dass es sehr oft sehr schwer ist, ein gemeinsames Spiel des Fragens und Antwortens und des wieder Zurückfragens zu spielen, wir bleiben oft weder am Thema noch am gesprochen habenden Gegenüber. Vieles wird in Welt-und/oder Ideologiebilder eingeordnet, egal, was gemeint worden sein könnte. Auch ich muss mir den Vorwurf machen, die Psychologie als permanentes Erklärungsmodell her zunehmen. Ist Psychologie eigentlich auch ein Weltbild? Aber was KI betrifft: da hast du leider selbst mitgeholfen, den Ungeist derselben aus der Flasche zu lassen, indem du sie die Fragen zum aktuellen Thema hast stellen lassen, als ob uns selbst keine mehr einfielen. Ja, auch ich wünsche mir viel mehr und echtes Interesse am Denken und der Art des Denkens der TeilnehmerInnen, ihrer individuellen Zusammensetzungen von Ideen, aber eben ohne gesetzte, absolute Weltbilder oder Ideologien.

  3. Monica Lieschke sagt:

    Ach Detlev, unser geschätzter und vermisster Advocatus Diaboli!
    Du weißt, daß Qualität von Quälen kommt 😉
    Auch ich war sonntags Abend erst mal irritiert, hatte nur die ersten Zeilen gelesen. Doch heute morgen, mit dem Reset einer Nacht: Heureka!
    Ein bisschen Irritation, Wolfgang? Hat noch keinem geschadet – auch und insbesonders auf Stufe 5 (?)
    Mit einem kleinen Aber, Detlev: Wer solcherart vereinsamt, merkt es meist spät bis selten … treten wir doch alle an, um genau dies zu vermeiden. Doch sind wir ehrlich:
    Wir freuen uns über Antworten auf die Fragen des Abends, die keine reine Reaktion sind oder gerade eigene Meinungen in Stellung bringen hinter den Verteidigungslinien. Die nicht schon vorgeschlagenen neuen, spontanen Fragen haben Seltenheitswert und gehen oft unter zugunsten der “Rednerliste” oder im Zurechtlegen der inneren Formulierung der eigenen nächsten klugen Statements.
    Zuhören? Stärkste Fraktion neben dem Reden, doch hören wir wirklich zu? Fragen wir nach, ob wir wirklich verstanden haben, wie es gemeint war? Oder sind wir auch hier schon mit dem stummen Formulieren der Retoure beschäftigt?
    Unterliegen auch wir mehr dem Trend der Selbstdarstellung als dem Erkenntnisgewinn?
    Die immer wieder auch Sternstunden, in denen dies ganz anders läuft, die gibt es. Ihnen mehr Raum “einzuräumen” kann nur gemeinsam gelingen. Vielleicht nicht immer, aber immer öfter?

  4. kuhn hans-peter sagt:

    Wer am Stammtisch die Einsamkeit erreichnen will, ist an der falschen Adresse!
    Philosophieren ist anspruchsvoll, es ist nicht die Behauptung einer Position, sondern die Exposition von Gedanken, die der Reflexion von “Anderen” zur Verfügung gestellt werden.
    Philosophieren ist teilen, nehmen und geben. Du gibst, was du willst und ich nehme davon, was mir zusagt. Selbst, wenn ich alles nehme, wird der “Andere” nicht ärmer sondern reicher.
    Klingt das nach Einsamkeit?

  5. Wolfgang Engel sagt:

    Lieber Detlev,
    einmal lehrst du uns den Sokrates und jetzt das?
    So viel Anklage, allgemein und pauschal.
    So negativ.
    Zynisch.
    Wenn ich deine Zeilen lese, fühle ich unangenehme Bitterkeit.
    Ich wende mich ab.
    Du empfiehlst uns den Chatbot.
    So viel Geringschätzung und Missachtung.
    Ist das eines Philosophen würdig?
    Ich kenne deine Qualitäten!
    Umso mehr bin ich irritiert.
    Detlev, was ist los? Haben wir den Fehler begangen, nicht deinem Ideal zu entsprechen?

Schreibe einen Kommentar zu Karlheinz Raum Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.