Trennt uns die Sprache oder verbindet sie uns?

Die Zeichen stehen
auf Trennung.
Die Individualisierung
in den demokratischen
Staaten schreitet voran.
Mit den sozialen Medien
kann jeder – jeder –
sich öffentlich äußern.
Und um aufzufallen und
die eigene Persönlichkeit
zu unterstreichen,
entwickeln sich mehr
und mehr Sprachstile.
Die Freiheit wächst
über die Sprache.
So weit, so gut.
Allerdings ist die
persönliche Verantwortung
für das Handeln
in Freiheit
nicht mitgewachsen.
Viele garnieren mit
plumpen Moralisierungen
und hassgeprägten Reden
den Mangel daran.
Die anderen sollen sich
ändern, nicht man selbst.
Gott, Eltern und Lehrer
kommen als moralische
Instanzen immer
weniger in Frage.
Brauchen wir
eine neue Instanz?
Brauchen wir ein
Wortethikministerium?
Das in Seminaren
und Workshops
verantwortliche Freiheit
trainiert?
Nein, das müssen wir
schon selbst lernen.
Aus eigener Erfahrung.
Mit allen Grausamkeiten.
Wirklich frei werden
wir nur, wenn wir
auf die Anleitung
anderer verzichten können.

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