Das Gegenteil von „roh“
ist „bearbeitet“.
Fallen wir also in einen
früheren Zustand zurück?
In unsere Vergangenheit als Tiere?
Oder als Stammesmitglieder,
die allen, die nicht zum
eigenen Stamm gehören,
den Schädel einschlagen?
(dann müssten wir unseren
STAMMtisch sofort umbenennen).
Nein, Tatsache ist, dass
Gewaltverbrechen zurückgehen.
Fakt ist aber auch,
dass unserer Umgang miteinander
sich heute rauer gestaltet.
Ein Widerspruch?
Keineswegs.
Unsere Freiheit ist größer geworden.
Weil die rigiden Moralsysteme
der Vergangenheit, von Staat,
Kirche und Elternhaus, die uns
stark „bearbeitet“, und uns zu
gemeinschaftlichem Verhalten
mehr oder weniger verdonnert haben,
immer mehr an Bedeutung verlieren.
Wir können heute sehr viel mehr
selbst entscheiden,
wie wir uns verhalten wollen.
Der Preis dafür:
Mehr Egoismus.
Mehr Ellenbogen.
Das Erlebnis der Verrohung
ist also die Kehrseite
der individuellen Freiheit.
Was tun?
Lernen, mit der neuen Freiheit
umzugehen und sie auszuhalten.