Die Frageanleitung oben.
Sie stammt von Goethe.
Sie ist verführerisch.
Denn „weise“ und
„vernünftig“ müssen dabei
nicht definiert werden.
Es reicht der
Ruf der beiden Wörter.
Sie haben ein gutes Image.
Allein die Erwähnung von
„weise“ und „vernünftig“
löst Zustimmung aus.
Zustimmung für
den Wissensbewahrer.
Für denjenigen, der sich
als Maßstab des
gültigen Wissens versteht.
So verstand sich Goethe.
Ganz anders Sokrates.
Der hat sich als
Wissensherausforderer
begriffen.
Mit „provokativ“
als Leitlinie seines
fragenden Lebens
wählte er ein höchst
übelbeleumdetes Wort.
Der Wissensbewahrer.
Der Wissensherausforderer.
Beide können ohne
einander nicht leben.
Auch wenn der
Bewahrer
deutlich beliebter ist
als der
Herausforderer.