Brauchen wir einen Professor für die grausame Wahrheit?

Statt einen für den
herrschaftsfreien
Diskurs, wie es der
kürzlich verstorbene
Philosoph Jürgen
Habermas war?
Nichts könnte von
der Realität ferner
sein als solch
ein Diskurs.
Während die Kriege
und Krisen von
Weltpolitikdarstellern
wie Donald Trump
als Show benutzt
und „als Spaß“
bezeichnet werden,
hat sich auf der
Landesbühne,
links wie rechts,
der Sachpolitiker
zum Krachpolitiker
gewandelt und der
in der Mitte zum
Angsthasen, der
sich nicht mehr
traut seinen
Rest-Wählern
etwas zuzumuten.
„In der menschlichen
Natur liegt es,
sich Vorteile zu
verschaffen, andere
zu beherrschen
und ihnen
Vorschriften
zu machen“.
Sagt der Historiker
und Gewaltforscher
Jörg Baberowski und
spricht Real-Text.
Kein Wunder, dass
Philosophen nichts
mehr zu sagen haben.
Sie werden mehr
und mehr zu
Illusionsreitern
der Denkgeschichte.

12 Gedanken zu “Brauchen wir einen Professor für die grausame Wahrheit?

  1. Klaus Ekkehard Rogalski sagt:

    Ob wir Professoren brauchen? Nun – Philosophen sind auch nur Wissenschaftler, und Wissenschaftler, die gute Ideen oder Leistungen bringen, bleiben ohne gesellschaftliche Wirkung, solange sie keinen Machthaber finden, der ihre Überlegungen realisiert.
    Wer aber sind die Machthaber?
    In China ist das einfach: Da herrscht eine Partei diktatorisch und die Wirtschaft operiert als sozialistischer realisierter Kapitalismus. Die Bürger haben nichts zu sagen. Wahrscheinlich ist die Politik für das Land auch gut, aber seine Umsetzung für uns nicht wünschenswert.
    Russland ist lediglich eine imperialistische Diktatur. Menschen sind nur beliebige Einsatzmenge. Putin wird die Ukraine unterwerfen oder selbst untergehen. Gewinnt er die Ukraine, wird er danach weitergehen, sich aber Zeit lassen, weil seine Opfer inzwischen doch zu hoch sind.
    Trump und die USA sind ein Sonderfall. Der Kapitalismus existiert seit tausend Jahren und wirkt in Amerika auch schon 500 Jahre. In den ersten 700 Jahren hat er sich zum Merkantilismus entwickelt und nach diesem System die Wirtschaft beherrscht. Für Amerika galt, dass die Sklaverei eingeführt und die indigene Bevölkerung zur möglichen Ausrottung freigegeben wurde. Danach hat sich der Kapitalismus schrittweise der Demokratie angenähert: die Bürger bekamen Entscheidungsfreiheit, in Europa zusätzlich eine Sozialgesetzgebung und in Amerika wenigstens eine Einschränkung der Monopolisierungsmacht.
    Heute, unter Trump, ist man zum Merkantilismus zurückgekehrt. Unbeschränkter Reichtum hat sich durchgesetzt: weniger als 100 Milliardäre haben zusammen ein Vermögen wie 4 Milliarden Menschen der ärmsten Kategorie.
    In den westlichen Staaten gibt es zumeist freie Wahlen. Leider sind die meisten Bürger Schönwetterdemokraten und wählen den, der Ihnen die größten Vorteile verspricht. Immerhin haben die amerikanischen Bürger Trump zum Präsidenten gewählt und die Europäer sich für Politiker entschieden, die am wenigsten stören.

    Vielleicht sind Demokratie und soziale Marktwirtschaft langfristig wieder denkbar, aber es kann Jahrzehnte dauern. Wahrscheinlich würde sich sowas in Europa entwickeln, weil hier die kulturellen Voraussetzungen am besten sind. Dabei spielt unvermeidlich auch Deutschland eine Rolle.

    Dabei wäre Voraussetzung, dass langfristig eine dauerhafte Einschränkung der AFD gelingt. Jedenfalls muss verhindert werden das diese undemokratische Partei dauerhaft die stärkste und womöglich einzige Volkspartei in unserem Staate wird. Dafür sind einige Maßnahmen unerlässlich:
    • Die Wahlkämpfe dürfen sich nicht auf die demokratischen Parteien beschränken (Beispiel, Söder gegen Grüne), sondern ernsthaft die AfD einschließen.
    • Die Rentenprobleme müssen echt bearbeitet werden und nicht dauerhaft nur die politische Diskussion in unserem Land bestimmen.
    • Die arbeitende Bevölkerung benötigt Perspektiven. Zum Beispiel gibt es für alle Umweltprobleme langfristig Lösungsansätze. Vieles wird man kurzfristig nicht umsetzen können, aber perspektivisch kann vieles zumindest vorgetragen werden.
    • In der Grundlagenforschung ist KI doch in Deutschland gut besetzt. Darin steckt viel Zukunft und das soll man auch mitteilen.
    • Die demographische Entwicklung muss ebenfalls mit der KI Planung abgeglichen werden. Wenn das Potential der Arbeitskräfte sinkt, sollte zumindest der mögliche Ausgleich über KI in der Manpower durchgerechnet werden.
    • Man sollte sich ernsthaft mit dem Parteiprogramm der AFD beschäftigen. Stets nur eine Mauer um die Partei aufbauen und sich dahinter verstecken, bringt gar nichts.

    Dann wird es auch noch um Europa gehen. Die Europäische Union ist inzwischen zu umfangreich und deshalb eine Fehlkonstruktion. Es muss ein Weg gefunden werden, der die Leistungswilligen Länder einbindet und ein Europa der 2 Geschwindigkeiten schafft.

  2. Hans-Peter Kühn sagt:

    “Omnis homines sese student praestare ceteris animalibus…” sagte bereits Cicero, 2.000 Jahre vor Jörg Baberowski.
    Ich schliesse daraus, dass der Wille zur Herrschaft zur menschlichen Natur gehört, was ihn keinesfalls rechtfertigt, da er mit den Bedingungen zum friedlichen und freiheitlichen Zusammenleben kollidiert.
    Abhilfe schafft hier nur eine Diktatur des Friedens und der Freiheit oder eine Diktatur der Demokratie.
    Ein angemessener Challenge für alle “Illusionsreiter der Denkgeschichte”…

  3. Karin Kraft sagt:

    Ich weiß jetzt nicht, wo genau wir in dieser Diskussion gerade sind, beim Völkerrecht oder dem Professor als Symbol für das nicht selber denken. Zum zweiten: es geht vielleicht nicht so sehr darum, in den Nähkästchen der WissensträgerInnen, von denen wir unser Wissen haben, den zum jeweiligen Thema passenden Faden heraus zu kramen, sondern im eigenen Nähkästchen die ganz individuell zusammen gesammelten Fäden, Nadeln, Scherchen und Einfädelhilfen zusammen zu suchen und sie im Gespräch mit anderen NähkästcheninhaberInnen neu zusammen zu setzen. Anders wäre doch zum Beispiel aus der Ideenlehre Platons niemals eine Archetypentheorie entstanden, oder. Ja, wir brauchen Professoren – am Anfang.

      1. Monica Lieschke sagt:

        Liebe Karin, danke für das überzeugende Bild. Mein Nähkästchen scheint zur Zeit schlecht gewartet. Es gleicht jenen bunten Fadenknäueln, die man manchmal schon erbt, immer mal sortieren will und braucht man eine bestimmte Farbe und zieht wo an, neigt es dazu, noch fester zu verheddern. Ein Geduldsspiel, bei dem fremde Hilfe meist alles nur schlimmer macht – insofern ist das Nähkästchen für mich selbst ein weniger praktikables Beispiel. Wie man einen Faden ausrollen und mit denen anderer zu einem Gewebe fügen kann, ist sicher die hohe Kunst.

  4. Karlheinz Raum sagt:

    Nein, wir brauchen keinen Professor, um die Wahrheit herauszufinden.
    Wir haben selbst Begabung zum Denken.
    Das Ergebnis ist unsere eigene, subjektive Wahrheit.
    Wenn sie objektiv werden soll, wäre ein Diskurs hilfreich.
    Erhöht die Wahrscheinlichkeit und verringert Grausamkeiten.
    Voraussetzung wäre ein gemeinsames Ziel.
    Bei aktuellen Reality-Show Akteuren fehlt beides.
    Vor den Folgen schützt sie das Völkerrecht.

    1. Detlev Six sagt:

      Zur Klarstellung: Das Völkerrrecht wurde zum Schutz der Schwachen vor den Starken geschaffen. Ausgerechnet vom Stärksten damals – den USA forciert. Was wie ein Paradoxon klingt, ist der normale Gang der Dinge in der Weltgeschichte. Demokratisierungsprozesse gehen immer von den Eliten aus. Nie vom “niederen” Volk. Auch Rebellionen haben Anführer aus den Eliten. Trump ist ein extremer Fall der Nutzung des Völkerrechts. Wenn es seinen Vorteilen dient, nutzt er es zu seinen Gunsten, wenn es ihm schaden würde, dann gilt sein Credo, das er ja gern verkündet: “Ich verlasse mich ganz auf meinen Verstand und meine Moral, das Völkerrecht brauche ich nicht.”

      1. Karlheinz Raum sagt:

        noch klarer:
        es ist das Vetorecht des Sicherheitsrates der Charta der Vereinten Nationen,
        (Teil des Völkerrechts), der die beiden aktuellen Hauptakteure, Russland und USA, schützt.

        1. Detlev Six sagt:

          Wirklich, noch klarer? Dann stelle einmal der KI diese Frage: Beschädigen die beiden Veto-Mächte USA und Russland durch ihr Veto-Recht das Völkerrecht, oder werden sie durch ihr Veto-Recht durch das Völker-Recht geschützt?

        2. Karlheinz Raum sagt:

          Das Vetorecht schützt die damaligen Siegermächte vor Sanktionen gegen sich selbst. Auf die Idee muß man erst mal kommen, dass ein Sicherheitsrat nicht die Schwachen schützt, sondern die Starken. Das schafft KI noch nicht.

  5. Crimmann sagt:

    Das Zitat könnte auch von Alfred Adler stammen, der den Machttrieb herausgearbeitet hat. Die Ursache liegt seiner Analyse nach im Minderwertigkeitsgefühl vieler Menschen (trifft wahrscheinlich auf Trump und Putin auch zu). Die Aufgabe der Philosophen und Theologen besteht nach wie vor darin, die Zeit zu deuten. Dies könnte man als Zeitansage bezeichnen.
    Ralph P. Crimmann

    1. Karlheinz Raum sagt:

      Bei Alfred Adlers Thesen ist ein natürliches Streben nach Überlegenheit gemeint, das sich aus dem Bedürfnis nach Optimierung entwickelt. In übersteigerter Form kann daraus tatsächlich eine Gier nach Macht werden.

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