Lebst du schon oder existierst du nur?

Was bleibt?
Wenn der Magen
nicht mehr knurrt?
Der Kleiderschrank
voll ist?
Vor dem Haus der
Sportwagen röhrt?
Und dahinter die
300 Millionen Yacht
(Mark Zuckerberg)
auf dem Wasser
schaukelt?
Wenn immer mehr
HABEN sinnlos wird?
Mit immer mehr Konsum,
Besitzgier und dem
Wunsch, Dinge
und Menschen
zu kontrollieren.
Es bleibt.
Das SEIN.
Dann geht es
um eine authentische
Beziehung zur Welt.
Um aktives Erleben
statt passiven Konsums.
Um Geben und Teilen
statt einsamen Hortens.
Wer nur existieren will,
dem reicht das HABEN.
Wer mehr will, der
braucht ein SEIN.

ANMERKUNG

Das war
die Utopie
von Erich Fromm.
Beschrieben in
seinem Buch:
Haben oder Sein.
Genau 50 Jahre her.
Und heute?
“Grönland, haben wollen.”
Das ist
die Dystopie
von Donald Trump.

9 Gedanken zu “Lebst du schon oder existierst du nur?

  1. Hans Zangl sagt:

    Lebst du schon oder existierst du nur?

    Das ist aus meiner Sicht eine menschenverachtende Frage mit völlig verzerrtem Bezug zur philosophischen Analyse von Haben und Sein. Leben mit Sein verbinden und existieren mit Haben, zeugt nicht von einem tiefgreifenden Verständnis menschlichen Lebens.

    Die Millionen oder sogar Milliarden von Menschen, die täglich versuchen, das Wesentlichen zum Leben, wie Nahrung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf, zu bekommen, leben die oder existieren die nur?
    Ein mittelständischer Unternehmer, der 20 Leute beschäftigt, der unternehmerische Vermögenswerte von 10 Millionen, Verbindlichkeiten von 5 Millionen und ein Netto-Jahreseinkommen von 300.000 hat, existiert der nur oder lebt der auch? Die Beispiele könnten beliebig erweitert werden.

    Haben und Sein sind zwei sich gegenseitig beeinflussende Elemente des Lebensprozesses. Ohne Haben kann Leben nicht existieren, übermäßiges Haben kann Leben sogar zerstören und dauerhaftes Haben wird menschliches Leben auf der Erde „bald“ beenden. Der Entwicklungsprozess der Menschen, wie der gesamte Evolutionsprozess, ist grundsätzlich von einem Drang nach MEHR in einem physikalisch geistigen Überlebenskampf geprägt – z.B. der Wahlkampf in demokratischen Systemen.

    Wenn Fromm in seinem Buch von Haben oder Sein spricht, liegt er grundsätzlich schon falsch. In dem Lebensabschnitt, als er das Buch schieb, war sein Leben bereits von viel Haben geprägt, wie z.B. ein aufwändiger Ausbildungsprozess, umfangreiche Infrastruktur und Verkehrssysteme, hohem Lebenseinkommen. Von so einem „hohen“ Stand aus ist es einfach über Sein und Haben zu theoretisieren. Hätte er das auch als Fließbandarbeiter in einem Maschinenbauunternehmen können?

    Haben und Sein bilden eine Einheit, entscheidend ist das Verhältnis zueinander und das verändert sich fortwährend im Laufe der Zeit. Haben ohne Sein und Sein ohne Haben sind rein theoretische Gebilde

    1. Karlheinz Raum sagt:

      Detlevs Frage ist ein Paradoxon. Das Leben ist Existenz. Ein Wert. Lebenswert.
      Wir haben uns zur Haben Gesellschaft entwickelt. Aus dem OB? wurde ein WIE?, WER? oder “Wieviel?”. E. Fromms Titel ist mehr eine Diagnose, im Sinne von krank oder gesund.

  2. Hans-Peter Kühn sagt:

    Existieren ist die unabdingbare Voraussetzung zum Leben.
    Die Existenz ist zunächstmal die einfachste Form des “Da-Seins” oder auf der Welt-Seins.
    Leben ist bewusstes “Da-Sein”, das heisst man ist nicht nur sondern man “hat” auch, nämlich Bewusstsein.
    Wir sind keine Gefühle, wir haben sie, Freude, Leid, Liebe, Hass. Wir sind keine Werte, sondern wir haben sie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Ohne Haben sind wir Menschen ohne Eigenschaften.
    Also bitte, verachtet mir das Haben nicht!!!

    1. Peter Deller sagt:

      Erich Fromms “Haben oder Sein”: Mal wieder ein sehr schönes Thema. Aber die von Fromm beschriebene Haben- Haltung oder Haben- Mentalität scheint mir doch keineswegs nur auf Materialistisches bezogen, sondern vielmehr, dass es auch im immateriellen, seelisch-geistigen Leben eine bedenkliche Haben-Haltung geben kann. Als Beispiel könnte man Menschen nennen, die ihren Partner an sich ketten, nicht loslassen, ihn oder sie nicht „sein“ lassen können. Man “hat” sich ( aber nicht lieb). Meistens scheitern solche Beziehungen.

      LG Peter

  3. Inge W. sagt:

    Fromm lernte von seiner 10 Jahre älteren Frau und Psychoanalytikerin Frieda Fromm-Reichmann, die sich als Jüdin verabschiedete und nach den USA auswanderte. Wenn wir von Fromms “Glaubenssätzen” reden, sollten wir ihre zuerst kennenlernen. Es ging ihr nicht um Sinnsuche sondern um die psychische Gesundheit der Menschen. Heilen kann jeder, der noch reden kann… das stammt von ihr.

  4. Karlheinz Raum sagt:

    Sowohl am Stammtisch als auch im Vorwort des Saurüssels geht es mehr ums Haben als ums Sein. Das liegt wohl an dem polarisierenden Titel von Erich Fromm. In der Nachkriegszeit ging es vor allem ums Überleben. Man musste etwas zum Leben haben. Vom Haben zum Sein.
    Es kam zum Aufschwung. Es gab wieder Ware. Es wurde immer mehr und bereits in den 70ern gab es die ersten Warnungen (nicht nur von Ludwig Ehrhard – damaliger Wirtschaftsminister).
    Als Psychologe und Soziologe erkennt Fromm die Gefahren einer Fehlentwicklung und 1976 erschien sein Buch „Haben oder Sein“, fast gleichzeitig mit Ervin Laszlos Buch– „Die Grenzen des Wachstums“. Bis zum heutigen Tag entfernte man sich immer mehr vom Sein, den geistigen Fähigkeiten, die uns zum Menschen machen.
    Man vergaß sogar, was sie eigentlich bedeuten und findet nur noch Hinweise in der Literatur.
    Shakespeare bereits im 17.Jh, dass es um das Sein (Leben) – to be or not to be – geht und nicht ums Haben (Besitz).
    Bei Voltaire, im 18. Jh, geht es um Begriffe des Lebens: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.
    Bei Goethe, „Das Göttliche“, um „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“.
    Dein Leitspruch, den du dir von IKEA entliehen hast, ist nur schwer umzusetzen, weil wir als Verbraucher fast verlernt haben, was Leben eigentlich bedeutet.
    Meine persönliche Leitfrage lautet deshalb; „Glaubst du noch oder weißt du schon?“ (auch bei IKEA geklaut). Daher glaube ich, dass man erst lebt, wenn man glücklich ist.

  5. Rosemarie Fronert sagt:

    Erich Fromms Ausführungen waren da etwas zu idealistisch, betrachtet man die evolutionsbedingten Mechanismen, die Menschen seit Urzeit prägten und die haben einen rein pragmatischen Hintergrund und weniger ein moralisches Gen im Menschen hervorgerufen. Überleben ist gleich Ansammlung von Wert, Nahrung und Macht.
    Altruismus ist nur innerhalb der Gruppe förderlich – überlebt die Gruppe bleibt die Macht und dient der weiteren Wertschöpfung die den Erhalt sichert.
    Ab hier wird es interessant – ist das Überleben und Erhalt eigentlich gesichert, fängt der Mensch an zu antizipieren – was wäre wenn?
    Bei dieser Frage kippt die Rationalität, weil Zukunft nicht klar beantwortbar ist. Man bleibt dabei im schlechtmöglichsten Szenario verhaften und sichert weiter ab – samnelt weiter an und macht dies zur Existenzbasis um den Status für die Zukunft zu sichern. Es wird zur irrationalen Gedankenspirale – die offensichtlich nur selten einen Ausweg findet.
    Genau darin liegt vielleicht der Punkt, an dem Fromms Hoffnung zu idealistisch war: Nicht jede gesättigte Existenz öffnet sich dem Sein. Sehr oft radikalisiert sie nur das Haben.

    1. Detlev Six sagt:

      Wenn man den strengen Maßstab der biologischen Evolution an Erich Fromms Text anlegt, dann beschreibt dieser Kommentar sehr genau die Aussichtslosigkeit seines Vorhabens. Wenn aber stattdessen die kulturelle Evolution der Schöpfungshintergrund ist, dann wird vielleicht irgendwann doch noch einmal etwas daraus. Denn die hat im Gegensatz zur biologischen keine wissenschaftliche Basis. Sie ist halt nur eine Metapher.

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