Lässt du dich ungern definieren?

Weil du in
keiner Schublade
landen willst?
Warum ziehst du
dann eine
Schublade auf
und holst eine
vorgefertigte
Definition heraus?
Von irgendeinem
Definator, der
sich ermächtigt
fühlt, den
Begriff X mit
einem Klartextsatz
zu definieren?
Schön, so eine
direkte Definition –
und so bequem.
Viel schöner, aber
nicht so bequem:
Die indirekte
Definition, die
sich aus einem
Streitgespräch
ergibt, wenn
verschiedene
Standpunkte
aufeinander
prallen und
Fragen und
Nachfragen
scharfe Klingen
sind und
keine Gummimesser.
Ja, und wenn
das logische
Schließen, die
Königsdisziplin
des Denkens,
seine
aristokratische
Macht zum
Höhepunkt bringt.
Es gibt keinen
schöneren Höhepunkt.
Außer beim Sex.
Aber der ist für
die Jüngeren.

12 Gedanken zu “Lässt du dich ungern definieren?

  1. Hans-Peter Kühn sagt:

    Die Antwort auf die Frage ist hier nicht ja oder nein.
    Ob ich es mag oder nicht, Tatsache ist, dass wir alle permanent von Anderen definiert werden und auch permanent Andere definieren.
    Wir sind soziale Tiere und im sozialen Leben entsteht das Bedürfnis, sich innerhalb einer Ordnung zu positionieren.
    Dabei ist die Positionierung der Anderen eine wichtige Orientierungshilfe.
    Also ist es hier wie mit dem Wetter: Egal ob ich es gut oder schlecht finde, ich muss damit leben.

  2. Hans Zangl sagt:

    Lieber Detlev
    definieren bezieht sich eigentlich auf einen Begriff, damit bei dessen Verwendung alle das gleiche verstehen. Menschen kann man nicht definieren, dazu sind sie zu unterschiedlich und das ist gut so!! Aber damit geben sich viele nicht zufrieden. Sie haben ein paar Schubladen wie links/rechts, gut/böse, Schwätzer/Denker etc. in die Menschen respektlos gesteckt werden. Diese Schubladen sind dann das Bestimmende bei einer sog. fachlichen Diskussion. So kann man weder philosophieren noch wird sich eine Gemeinschaft positiv, friedlich entwickeln können. Leider hat sich dieses Verhalten extrem ausgebreitet.

  3. Karlheinz Raum sagt:

    Mit Definitionen bin ich oft konfrontiert worden.
    Frage des Gretchen an Faust; „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?
    Du bist ein herzensguter Mann allein, ich glaub, du hältst nicht viel davon.“
    Meine Beiträge wurden oft aus Schubladen beantwortet.
    Aus einem Schrank, in dem es weder „Bahai“ noch „Neues Denken“ gab.
    Die Welt ändert sich, nicht aber unser Bewusstsein.
    Es glaubt noch oder glaubt zu wissen. Es polarisiert, statt zu differenzieren.
    Es ist bequemer KI zu benutzen, statt zu denken.
    Diese Schublade ist prall gefüllt.
    Sie erspart uns Zeit, die wir mit Streit und Diskussion verbringen.
    Nur nicht mit Glück und Weisheit.
    Wenn man mich als Mensch definierte – nicht als Objekt,
    dann wäre auch ich wunschlos glücklich.
    Mein Höhepunkt – nicht nur für Ältere.

    1. Monica Lieschke sagt:

      Schubladen- und Geländerlos? Los!
      Lieber Karlheinz, große Mißverständnisse schaffen jene, die vermeintlich ausschließlich „selbst denken“ und sich damit über jene erheben, die vermeintlich „denken lassen“- sei es von Wiki, AI, Goethe, Bahai, „Neuem Denken“, Ken Wilbers etc etc.
      Wie gnadenlos insistierend, unermüdlich wiederholt und (sorry), ja selbstgefällig, Du diesen Keil in den von Dir unerschütterlich treu besuchten Stammtisch treibst, mußt Du doch bei genauerem Hinsehen selbst als eigentlich spaltend erkennen? Wir alle sind wandelnde Wikis, voll der eigenen Erlebnisse, Erkenntnisse, Gelerntem, Verworfenen plus all der „Zitate“, die sich im Leben anhäufen. Am hilfreichsten u n d gefährlichsten jene, die gut verdaut, zu eigen gemacht wurden, ohne dass wir sie noch als Zitate und Definitionen erkennen. Die zu (eigenen) Meinungen verkrusten und sich hinter Erkenntnis tarnen.
      Was zu einem solchen Verhalten führen mag? Ich weiß es nicht. Eine- und nur eine Möglichkeit: Wir alle wollen geliebt, gelobt, bestätigt werden (das beginnt in der Kindheit und läßt nie nach). Wo dies ausbleibt oder nicht in ausreichendem Maße vorhanden: Klar, auch Reibung erzeugt bekanntlich Wärme. Und so hast Du – einmal mehr – Zuwendung, Beschäftigung mit Dir großem Selbstdenker erhalten, heute am 2. Feiertage der großen Erleuchtung und Verständigung über die Grenzen der eigenen Sprache hinweg.

      1. Karlheinz Raum sagt:

        Wann begreifst du endlich, dass meine Meinung
        immer persönlich ist. Weder richtig, noch falsch.
        Sie beruht auf meiner Erfahrung, Realität und These.
        Ich beteilige mich am Stammtisch und „Saurüssel“,
        um eine Antwort zu finden – zum Thema der Woche.
        Nicht, um andere zu bewerten oder zu korrigieren.
        Nicht, um etwas besser zu wissen.
        Nicht, um Liebe oder Anerkennung zu heischen.

        Hier meine Antwort zur öffentlichen Kritik;
        Von jemanden, der mal Psychologie studierte, erwarte ich eine
        qualifiziertere Menschenkenntnis und Analyse.
        Die unterste Schublade der Respektlosigkeit sollte geräumt sein.
        Wenn es mir um Spaltung ginge, hätte ich unseren
        Gesprächskreis längst verlassen.
        Meine Meinung ist weder verkrustet noch getarnt.
        Selbstgefälligkeit ist mir fremd. Keilerei ebenfalls.
        Philosophie hängt nicht vom Mögen ab, sondern vom Denken.
        „Nur wer selbst denkt, kommt zur Erkenntnis“.
        Das bekenne und wiederhole ich gnadenlos und unermüdlich.
        Der Hlg Geist hatte wohl bei dir, an Pfingsten, keinen Höhepunkt.
        (Satirisch; „Empfängnis freie Tage“).

        Juristisch endet die Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) dort,
        wo die Menschenwürde (Art. 1 GG) des anderen verletzt wird.
        Das gilt auch für das verbreitende Medium.

        1. Detlev Six sagt:

          Das Saurüssel-Blog gewährleistet die Meinungsfreiheit, indem es einen Kommentar veröffentlicht. Als Blog-Betreiber habe ich bisher jeden Kommentar veröffentlicht und ich werde das auch weiterhin tun, wenn ich zur Überzeugung gelange, dass ein Kommentar weder die Meinungsfreiheit mißbraucht, noch die Menschenwürde verletzt.

  4. Monica Lieschke sagt:

    Ich geh mit beiden Kommentaren von Karin und Peter mit (Chapeau!). Möchte nur eine Ergänzung anfügen, die nicht ganz „linientreu“ ist: Wenn unsere philosophische Frage, unser „Thema“ einen Begriff enthält und wir mit dem Diskurs „loslegen“ ohne nur annähernd ein ähnliches Verständnis darüber zu haben, was wir hier diskutieren, dann fallen wir sozusagen geländerlos die diversen Treppen runter. Die Voraussetzungen für unseren Diskurs sind gar zu unterschiedlich. Ich oute mich daher auch als Fan von Definitionen- auch wenn sie selfmade, vorläufig, unscharf sind, wenn es keinen Konsens darüber gibt. Dann ist es gut, den Widerspruch zu genauer zu fassen. Aber mich selbst will ich darüber nicht definieren lassen und ich schätze Nachfragen, ob ich richtig verstanden wurde. Oft schieben mich solche Rückfragen erst voran und ich lande woanders, mit anderen Fragen als ich startete. Mit oder ohne Geländer, manchmal sogar ohne Stufen. Der Kontext zu Sex im Alter ist mir indessen nicht ganz klar. Ach so ja, der Höhepunkt. Gelingende Stammtische sind Gleitflüge, zuweilen mit größeren oder kleineren Turbulenzen, manchmal heben sie erst gar nicht ab. Besonders schön: Sanfte Landungen in bisher unbekanntem Land.

  5. Karin Kraft sagt:

    …. also sozusagen diskutieren ohne Geländer, rein am Gesagten orientiert, nicht an der Interpretation des Gesagten, das von unserem Wissen umschlossen, verändert, angepasst, von vornherein vermischt und zu unserer Antwort/Entgegnung passend gemacht wird. Wissen beeinflusst, was wir bei einer Diskussion erfassen, aber war es die Intention des Gesagten? Von der eigentlichen “Idee” des Gesagten durch die Sprechenden können wir ja quasi nur die Mosaiksteinchen erkennen, Splitter der ganzen Idee, des ganzen Gedankenbildes, vielleicht, wenn’s nicht ganz und gar banal war. Und nicht immer geht es ja nur darum, was jemand denkt, sondern auch wie.

    1. Peter Deller sagt:

      Bravo Karin, was du da sagst, sollten wir uns gegenseitig sein: Geburtshelfer, die einen Faden aufgreifen und ihn weiterspinnen um etwas zur Welt zu bringen. Stattdessen erleben wir oft Vorgefasstes, Konserviertes, in-sich-Geschlossenes. Eine one-man-Show oder eine one-girl-Show von Diskutanten, mit oft beeindruckendem Wissen, das meist ,wie du es beschreibst, nur an Splittern zum eigentlich Gemeinten connectet. Da gewinnen zu oft die ” Wissenden ” und jene, die Lust haben gerne mal im Dreck zu buddeln, um auf etwas besonderes zu stoßen, bleiben auf der Strecke.

      LG aus Südfrankreich
      Peter

    2. Karin Kraft sagt:

      Hallo, Karlheinz, viele Fragen deinerseits, freilich nicht gestellt von dir, aber dennoch implizit.
      Vielleicht können dich meine Fragen anregen, über Antworten nachzusinnen.
      Wessen Opfer bist du?
      Wer oder was macht aus dir ein bloßes Objekt?
      Wessen Denken kommt ganz niedrig aus einer Schublade? Und welcher?
      Was unterscheidet neues von altem Denken?
      Was ist altes Denken?
      Gehört Gretchen zum neuen Denken oder wie verbindet es sich damit?
      Gibt es Übergänge?
      Hat neues Denken im alten Platz oder muss man sich ganz und gar vergessen?

      1. Karlheinz Raum sagt:

        Mein letzter Beitrag bezieht sich ausschließlich auf Monicas Kritik (siehe oben) und da findest du auch meine Antworten.
        Neues Denken ist nicht exklusiv, sondern integrativ. Quasi ein update unseres Bewusstseins. Sonst gäbe es keinen Fortschritt.

        1. Karin Kraft sagt:

          Ein wirklich letzter Kommentar zu deinem Kommentar, lieber Karlheinz. Mögliche Fragen an Moni in Bezug auf eine eventuelle Selbstuntersuchung hätten sein können:
          Was meint sie mit selbstgefällig im Zusammenhang mit deinen Kontexten um das selber denken?
          Was meint sie mit dem Keil, den du eventuell in den Stammtisch treibst?
          Was meint sie, wenn sie davon spricht, dass sich Meinungen hinter Erkenntnissen tarnen?
          Und was ärgert sie daran, wie du deine Thesen als ureigene zu 100% selbst erkannte, selbst erachtete, selbst erfahrene (und deshalb empirische) Realitäten darstellst?
          Dich einfach davon zu distanzieren (und sie, ganz nebenbei bemerkt, als Psychologin abzuwerten), bringt dir sicher keine Erkenntnis darüber, was auch wahr sein könnte. In den Augen und Gehirnen anderer eben.

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