Kann man sich auf das Ende des Lebens vorbereiten?

Das Rad dreht sich sanft zu Ende.
Die Tür steht offen.
Der Hamster schaut ratlos zurück.
Auf den offenen Käfig.
Aus dem er gerade ausgestiegen ist.
Er könne jetzt alles machen.
Wurde ihm gesagt.
Er sei frei.
Er könne jetzt sein eigenes Leben leben.
Wenn er dann stürbe,
müsste er nicht bedauern,
dass er immer nur das Bildnis
der anderen gelebt hat.
Er schüttelt ratlos den Kopf.
Was tun?
Mit der gewonnenen Freiheit?
Er fängt leise an zu singen:
„Ich bin von Kopf bis Fuß
Auf hamstern eingestellt
Denn das ist meine Welt
Und sonst gar nichts“

(zu singen nach dem fast
gleichlautenden Lied von
Marlene Dietrich)

 

6 Gedanken zu “Kann man sich auf das Ende des Lebens vorbereiten?

  1. Hans Fritz says:

    Super Detlev,
    das Ausbrechen aus dem Hamsterrad ist immer ein große Überwindung und erfordert viel Kraft. Auch psychologisch ist es nicht einfach, weil man es ertragen muss, von seinen Freunden verlassen zu werden. Trotzdem sollte man es unbedingt tun, denn das Leben gehört zum ERLEBEN. “Nur immer her damit, so lange wir leben!”

     
  2. Kuhn Hans-Peter says:

    Also Leute, mal ganz ehrlich. Wir sind alle noch im Hamsterrad und Euer Stammtisch gehört natürlich auch dazu. Lasst uns das Hamsterrad nicht verdammen, denn es bringt auch viel Schönes und Bemerkenswertes hervor. Der Tod ist ein Naturereignis. Die Vorbereitung ist problematisch, denn wir wissen nicht, wann es eintritt. Ist damit das ganze Leben eine Vorbereitung auf den Tod? Dann wird das Leben zum Jammertal. Wie sagen die Deutschen: “Im Leben ist nichts umsonst, ausser dem Tod und der wird mit dem Leben bezahlt!
    Liebe Grüsse aus Frankreich
    HPK

     
    1. Detlev Six says:

      Ein Mann erleidet die Todesstrafe. An seinem letzten Tag besuchen ihn seine besten Freunde im Gefängnis, um Abschied zu nehmen. Seine Frau und seinen Sohn hat er weggeschickt, da deren Klagen stören. Die Stimmung ist seltsam. Der zum Tode Verurteilte ist glückselig, er ist in froher Erwartung des Lebens im Jenseits.

      So sind die Freunde in einer Mischung aus Betrübnis und Lust, manchmal lachend, bisweilen weinend, weil sie ihn verlieren. Den ganzen Tag sprechen sie über den Tod als Befreiung der Seele vom Leib, bis der verabreichte Gifttrunk die Zunge des Freundes bricht.

      Die Schilderung dieser Szene verdanken wir Platon, der in seinem Dialog „Phaidon“ diesen denkwürdigen letzten Tag des Sokrates für die Nachwelt überliefert hat. Aus diesem Werk stammt auch folgendes Zitat: „In der Tat also (…) trachten die richtig Philosophierenden danach zu sterben, und tot zu sein ist ihnen unter allen Menschen am wenigsten furchtbar.“

      Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele war also die Ursache der Gelassenheit des Sokrates in Angesicht seines Todes.

      Da Sokrates der Ideenstifter unseres Stammtisches ist, wollen wir uns an ihm ein Beispiel nehmen – auch wenn wir nicht an die Unsterblichkeit der Seele glauben.

       
  3. Augustinus says:

    Wir sterben nicht, wir ändern nur die Form. Denn nichts geht im Universum verloren. Trotzdem haben wir Angst vor dieser Veränderung, weil sie durch nichts zu verhindern ist.

     
    1. Detlev Six says:

      Ja, ja, der Energieerhaltungssatz, er mag tröstliche Einsichten vermitteln. Allerdings ist er zur Erklärung menschlichen Lebens so vage wie die Hirnforschung. Die bisher ihre Erkenntnisse allein aus der Korrelation von menschlichem Verhalten und Energieveränderung im Hirn in Abhängigkeit von einer Hypothese erschließen. Über unser Erleben kann sie dabei nichts sagen – höchstens wild spekulieren. Auch wenn wir davon ausgehen, dass wir nach unserem leiblichen Tod als informationstragende Teilchen unsere Energie im Kosmos austoben: Was sagt das über den Menschen (oder von mir aus auch Seele, wenn wir sie als den erlebnisgenerierenden Menschenteil betrachten) aus, der wir heute sind? In unserer sehr speziellen Anordnung von Atomen und Molekülen?

       
  4. Detlev Six says:

    Folgenden Kommentar zum Thema schrieb Karlheinz Raum an Hans Fritz per email – er berührt unser aller Interesse:

    Lieber Hans,
    zu unserem letzten Thema “Vorbereitung auf das Ende” sind mir noch einige Gedanken gekommen, die für viele unerträglich sind. Alle Ideen über ein Leben nach dem Tode, beinhalten die Hoffnung einer 2. Chance.
    Diese Hoffnungen, die ihren Ursprung bereits vor über 3000 Jahren (also noch vor Buddha) vor allem im Hinduismus hatten, sind durch die Praxis des Kastenwesens entstanden. Die damalige Geistlichkeit (Brahmanen), haben die Menschen in Klassen eingeteilt, die durch ihre Geburt bestimmt wurde. Innerhalb dieser Klassen gab es nicht die geringste Chance durch eigenes Zutun aufzusteigen. So kam man auf die Idee der sogenannten Reinkarnation. Man verteilte für alle guten Taten Rabattmarken, die in einem späteren Leben angerechnet werden. Dieses Mittel hilft bis zum heutigen Tag, am eigenen Leben nicht zu verzweifeln und man könnte damit dem Tod gelassen entgegen sehen. In Wirklichkeit ist es eine Methode, Besitzstände zu erhalten und schon gar nicht mit anderen zu teilen. Es birgt aber auch eine große Gefahr, nämlich alle Entwicklungen und Erkenntnisse des Verstandes, einfach zu verdrängen. Offensichtlich ist unsere Ratio so träge, dass wir die meisten Veränderungen verschieben. Man hört nicht mehr auf die Alarmzeichen und glaubt fest daran, dass alles nicht so schlimm werden könnte. Bei der besitzenden Klasse ist es verständlich, denn es bleibt auch nach dem Tode in der Familie und hilft wenigstens immer mehr Abstand zur gefürchteten Armut zu gewinnen.
    Das sind die Gründe, die mich veranlassten, auf die wiederholten Fragen, was denn nach dem Tod mit den körperlichen Resten geschieht, etwas verhalten zu antworten. Nur wenige haben sich mit den natürlichen Abläufen des Lebens beschäftigt und das Kompostieren aller Pflanzen und Lebewesen ist für viele Menschen unerträglich. Da kommt eine moderne Entsorgung, wie die Feuerbestattung, dem materiell denkenden Menschen doch sehr entgegen. Man will auch gar nicht wissen, dass das früher nie so war und das 1. Krematorium in Deutschland erst im 19. Jh. in Gotha gebaut wurde.
    Vielen ist auch entgangen, dass die Gebete gläubiger Menschen längst erhört wurden. Man kommt gar nicht auf die Idee, dass die Verdoppelung der Lebenserwartungen, die eigentliche 2. Chance ist.
    Liebe Freunde, vielleicht könnt ihr jetzt verstehen, warum ich versuche seit meiner 2. Lebenshälfte mein Leben anders zu organisieren

    Alles Gute
    Karlheinz Raum

     

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