Sind wir wirklich frei, wenn wir keine Zwänge mehr haben?

FREIHEIT
heißt das meist
hoch gehaltene
Schild bei den
Corona-Demos.
Dabei kann es sich
nur handeln um
die Freiheit
des Einkaufens,
des Besuchs von
Vergnügungsstätten,
des Verreisens.
Kurz gesagt,
um die Freiheit
des Konsums.
Nicht kann es
sich handeln, um
die Freiheit des
Denkens, Redens
Schreibens, der
Freiheit der
eigenen Meinung.
Sonst wäre das
Protestschild
verboten.
Die Demo nicht
erlaubt.
Freiheit ohne Zwänge
allerdings, die
gibt es nicht,
sonst wüssten wir
gar nicht, was
Freiheit ist.
Das ist wie
bei der Helligkeit.
Die gäbe es nicht
ohne die Dunkelheit.
Freiheit ist
vielfältig und
umfangreich.
Wenn also jemand
mit Freiheit nur
Konsumfreiheit
verbindet, dann
jault er natürlich,
wenn ihm die
weggenommen wird.
Es ist ja seine
ganze Freiheit.

 

4 Gedanken zu “Sind wir wirklich frei, wenn wir keine Zwänge mehr haben?

  1. Do Pfrogner says:

    Es ist auf jeden Fall spannend, seinen Erziehungs-Zwängen und Vorstellungen auf die Schliche zu kommen, um immer freier zu werden. Vor allem im Denken. Der Körper fordert immer noch genug Notwendigkeiten ein, von denen man sich nur kurzfristig und zeitweise “befreien” kann.

     
  2. Elli West says:

    Frei von Kummer, frei von Schmerzen, frei von Schuld zu sein, das steht immer in einem Zusammenhang. Freiheit alleine gibt es nicht.

     
  3. Karlheinz Raum says:

    Freiheit – ein Begriff aus der Welt des Geistes, die nicht sichtbar ist, aber spürbar. Um sie zu verstehen, muss man Metaphern bilden, wie für Liebe, Treue, Gerechtigkeit, Wahrheit.
    Mir gefällt am besten ein mineralischer Rohling. Er enthält das Material mit allen Eigenschaften, die erwünscht sind. Er muss nur poliert, geschliffen und veredelt werden.
    Dieser Vergleich fehlt bei F. Schillers „Wilhelm Tell“, David Haselhoff’s „Looking for freedom“! und Reinhard Mey’s „Über den Wolken ..“.
    In der Schule wird Freiheit nicht gelehrt, so dass man sich die Freiheit nimmt, sie selbst nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten, was natürlich auf Grenzen stößt. Vorausgesetzt man kapiert, dass Freiheit nur erlaubt, was nicht verboten ist.
    In der menschlichen Entwicklung ist Freiheit ein kostbares Gut, das es absolut nie gegeben hat.
    Bis ins 19. Jahrhundert wurde Freiheit unterdrückt und erst im 20. Jahrhundert (1948) durch Einführung der Menschenrechte, soweit veredelt, dass man dem Menschen zugestand, ein Entscheidung treffendes Wesen zu sein, der sogar seine eigene Meinung äußern durfte. Politisch begleitet durch die Einführung von Demokratien.
    Es wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis wir diesen Rohling so veredelt haben, dass er zum Diamanten wird und lernen, mit dieser Meinungsfreiheit verantwortungsbewusst umzugehen.

     
  4. Ekkehar says:

    Freiheit und Zwang.

    Es gibt auch ein Freiheitsgefühl. Wer sich frei fühlt spürt keinen Zwang.
    In der Philosophie ist das viel schwieriger. Von der Willensfreiheit bis zur politischen Freiheit gibt es viele Spielarten der Freiheit. Über welche will man diskutieren? Da schaue ich, was so oft in den Zeitungen steht und wähle bewusst eine sehr schlampige Basis als Begriffsbestimmung: Freiheit als Basis unserer Demokratie.
    Diese Freiheit ist jedenfalls immer begrenzt. Wenn in einer Gemeinschaft von 80 Millionen alle gleichwertige Rechte haben sollen, bedarf es klarer Regeln, die von Allen akzeptiert werden, sonst rumpeln die durcheinander. Ob das nun als Zwang oder als sinnvolle Festlegung empfunden wird, mag Ansichtssache sein. Der mit Vernunft begabte Mitmensch wird Verständnis für die zweite Option entwickeln.
    Natürlich kennt auch die freiheitliche Gesellschaft Zwänge, immer dann, wenn Notsituationen überwunden werden müssen und Solidarität erforderlich scheint. Polio, Pocken und Masern wurden bei uns ausgerottet, nicht weil die Kapazitäten für Intensivbetten ausgebaut wurden, sondern weil es eine Impfpflicht gab (was bei Masern nicht mehr ganz stimmt). Wie kann eine Impfpflicht, die tausende Menschenleben retten kann, unabdingbare Freiheitsrechte rauben, wenn die Anschnallpflicht anerkanntes Gesetz sein kann, wo doch deren Missachtung nur dem „Freiheitsiebenden“ und seinen Begleitern schaden kann.
    Vielleicht weist aber gerade dieser Vergleich auflaufende Veränderungen in der Einstellung zu Begriffen hin. Als die Anschnallpflicht kam, wurden die Grenzen der äußeren Freiheit noch wo anders gesehen wie heute. Vielleicht war das Misstrauen gegenüber staatlichen Bestimmungen noch nicht so entwickelt. Vielleicht wurden dem Staat noch größere Eingriffsrechte zugestanden.
    Jetzt noch ein kleiner Abschweif. Die Einen können alles entscheiden und die Anderen haben fast nichts zu sagen. Der Big Boss entscheidet sogar über seinen Pförtner und der Pförtner immerhin darüber, wer durch die Pforte darf. Vielleicht genießt der Pförtner seine minimale Entscheidungsfreiheit mehr als sein Chef. Damit wären wir wieder einmal beim Freiheitsgefühl.

     

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