Wie kommen wir vom passiven Konsumieren zum aktiven Selbst?

Der Mensch ist gierig und faul.
Das ist sein tierisches Erbe.
Deshalb hat er die Lebensform
des Kapitalismus gewählt.
Der macht?
Genau.
Gierig und faul.
Kurzen Phasen des Aktivismus
folgen lange des Faulseins.
Die Rendite möchte
gefressen werden.
Damit wäre schon
einmal der passive
Konsument erklärt.
Und das aktive Selbst?
Im Laufe seines Lebens
entwickelt der Mensch ein
verantwortungsbewusstes Selbst.
Die Gier macht ihn
nicht mehr blind.
Aber leider geht ihm dabei auch
die Kraft für das Aktive verloren.
Aktiv gibt’s.
Selbst gibt’s.
Aber die Mischung nicht.

 

3 Gedanken zu “Wie kommen wir vom passiven Konsumieren zum aktiven Selbst?

  1. Karlheinz says:

    Vom passiven Konsum zum aktiven Selbst.’
    Deinen Kommentar teile ich nur eingeschränkt. Besonders die letzten Zeilen betrachte ich aus einer anderen Perspektive. Unser aller Musterbeispiel, „Mr. President“ kann ich objektiv nicht als faul erkennen. Es scheint mehr die Kraft für das Sinnvolle zu sein, die da verloren geht. Eine Mischung aus Aktivität und Selbst löst sich nicht in Wohlgefallen auf, sondern entfaltet Gier – eine zerstörerische Kraft, die Völker spaltet, das Gemeinwohl auflöst und mit Krieg endet. Alle kulturellen Fortschritte werden dabei zerstört.
    Für mich ist die Antwort im Umgang mit dem Begriff Konsum zu suchen. Dieses Wort, das auf deutsch Verbrauch bedeutet, ist in den letzten 50 Jahren negativ geworden, obwohl es ein ganz natürlicher Vorgang ist. Im 20. Jahrhundert konnte man noch im Konsum einkaufen und in der DDR waren es HO Läden oder Konsum, wo man seinen Bedarf an Lebensmittel einkaufte.
    Inzwischen hat sich dieser Begriff auf alles erweitert, was wir gebrauchen konnten und mit dem Wohlstand wuchs der Konsum. Da muss also noch etwas dazu gekommen sein, was „Verbrauch“ so negativ macht. Staatlich wurden wir ja zum Verbraucher ernannt und in der Schule lernten wir, dass sich wachsender Wohlstand nur aus mehr Verbrauch generiert. Die Summe des Verbrauchs wurde sogar zum Wertmaßstab erhoben und man nannte es fortan Bruttosozialprodukt.
    Daraus ergibt sich die Frage; „Was ist da falsch gelaufen“?
    Leider hatte in der Gruppe am Abend keiner die zündende Idee. Die unterschiedlichen Meinungen haben unsere Gedanken wohl vom Wesentlichen abgelenkt.
    Mit etwas Zeit zum Nachdenken, kommt bei mir der Gedanke auf, dass es wohl damit zusammen hängt, dass wir systematisch dazu erzogen wurden, das rechte Maß zu verlieren. Wir haben gelernt, dass freie Marktwirtschaft unsere Orientierung ist, die besagt, dass diese Wirtschaftsform im Gegensatz zum Sozialismus, selbstregulierend sei. Die Nachfrage regelt das Angebot. Leider ist das Theorie, denn solange mehr produziert wird, steigt die Nachfrage. Vorausgesetzt die Geldmenge, die im Umlauf ist, reicht aus, um dieses Übermaß zu finanzieren.
    Jetzt höre ich aber auf, sonst wird noch eine Dissertation für ein neues Wirtschaftssystem daraus.
    Das überlasse ich Jüngeren. Mir genügt, dass ich nach vielen Irrungen, gelernt habe, mich zu mäßigen.

     
    1. Detlev Six says:

      “Eine Mischung aus Aktivität und Selbst löst sich nicht in Wohlgefallen auf, sondern entfaltet Gier –”
      Diesen Halbsatz verstehe ich nicht, kannst du mir den erklären?
      “Was ist da falsch gelaufen?”
      Die Antwort darauf steckt schon in deinen Ausführungen – außer Konsumieren haben wir keine gesellschaftliche Sinn-Idee mehr. Fast unser ganzes Leben ist nach dem Marktprinzip organisiert (sogar die Liebe, wenn man sich die entsprechenden Plattformen im Internet anschaut, obwohl du das letztens noch energisch bestritten hast). Das wiederum suggeriert, dass auch alle Lebensprobleme (die besten Medikamente und Therapeuten im Ranking) nach dem Marktprinzip lösbar sind. Wenn ich ein bestimmtes Menschenbild unterstelle, was ich getan habe, dann denke ich das auch. Wobei es wichtig ist, dass ein großer Teil des Marktes unserer Unterhaltung dient. Das wiederum ist überhaupt nicht neu. Denke nur an “Brot und Spiele” im alten Rom. Meine letzte Anmerkung zu deinem Kommentar.
      “Mit etwas Zeit zum Nachdenken, kommt bei mir der Gedanke auf, dass es wohl damit zusammen hängt, dass wir systematisch dazu erzogen wurden, das rechte Maß zu verlieren.”
      Das gilt nicht für alle Zeiten. Lange war “Normalität” mit dem Mittelwert in allen möglichen “Normalverteilungen” verbunden. Die Verpflichtung dazu und die Einhaltung der damit verbundenen Konventionen wurde durch ein ziemlich enges moralisches Korsett gewährleistet. Die Liberalisierungstendenzen der letzten Jahrzehnte (Willi Brandt: mehr Demokratie wagen) haben zu meinem Entsetzen eher das Gegenteil erreicht: Die Stärkung der extremen Ränder und ein Gefühl des “Anything goes”. Die Freiheit, die wir alle bekommen haben, wurde von nicht wenigen missbraucht. Das Maß der Mitte ist ein gesellschaftliches Konstrukt und an dieser Stelle wäre zu fragen: Was kann auf Dauer das “Maß der Mitte” in unserer Gesellschaft verankern? Die Einsicht oder die Aufsicht? Letzteres wäre entsetzlich.

       
      1. Karlheinz says:

        Die Schwierigkeit auf deine Erwiderung einzugehen, liegt darin, ob ich ein Objekt rein materiell oder auf einer geistigen Ebene betrachte.
        Wenn es um eine Sache geht, lässt sich alles intellektuell beschreiben, erklären, regeln oder ändern. Im geistigen Bereich ist das kaum möglich, weil er abstrakt, immanent, spirituell oder gefühlt ist, den man weder sehen, anfassen, messen, noch wissenschaftlich beweisen kann.
        So kommt man z.B. bei „Liebe“ zu völlig anderen Schlussfolgerungen, je nach Betrachtungsweise.
        So ist auch deine 1. Frage, nach dem Zusammenhang von Selbst und Aktivität zu erklären.
        Wenn meine Aktivitäten auf mich selbst konzentriert sind, so liegt es in unserer Natur, dass wir ein angestrebtes Ziel auch erreichen, besitzen oder einfach haben wollen. Wenn sich das auf einer rein materiellen Ebene abspielt – ohne Maß, so ist das Ergebnis Habgier.
        Aus dieser Erkenntnis lässt sich ableiten, dass es ohne Regelung gar nicht geht. Ob das nun Gesetze sind oder ob man es Erziehung nennt. Ohne solche Maßnahmen, würde der Mensch auf die Stufe eines Raubtieres zurückfallen.
        Wenn aber die Erziehung auf das Wir, Familie, Gemeinschaft etc. gelenkt wird, entstehen geistige Elemente, wie z.B. Zuneigung, Gemeinsinn, Solidarität, Fürsorge, usw.
        Deine Schlussfolgerung, dass Aufsicht (Kontrolle) entsetzlich wäre, um das richtige Maß zu finden, kann ich nicht teilen. Es erfordert nur eine andere Einstellung zum Begriff Freiheit.
        Ich bin mir sicher, dass Willi Brand oder vorher Ludwig Erhard mit sozialer Marktwirtschaft und Demokratie nicht den heutigen Turbokapitalismus gemeint hat. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass grenzenlose Freiheit im Chaos endet. Schwierig wird es, wenn wir Regeln Moral nennen, denn dieser Begriff wurde durch vorangegangene Erziehungsmuster verdorben.
        Ethik wäre da besser.

         

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