Beschäftigt Dich die Einsamkeit jetzt mehr als sonst?

Oh, ja, ich bin gerade
in Vollbeschäftigung.
Mich beschäftigen
die Geschichten
meines Lebens.
Mehr denn je.
Geschichten, die
mich gemacht haben.
Die ein rohes Stück Fleisch
in einen einigermaßen
genießbaren Charakter
verwandelten.
Meine Geschichten sitzen
alle um mich herum.
Sie sprechen zu mir,
wenn ich zuhören soll.
Ich lausche ihnen,
wenn sie mir etwas
zu sagen haben.
Ich neige mich ihnen
zu, wenn ich sie
gut finde, bitte sie
zu gehen, wenn nicht.
Geschichten sind
die besten
Lehrmeister
des Lebens.
Ich brauche sie so
dringend wie Brot.
Weil ich alles habe,
was ich haben will.
Aber noch längst
nicht der bin,
der ich sein will.
Dafür brauche ich noch
einige Geschichten,
die mich dorthin bringen.
Ich habe aber keine Eile.
Ich kann warten.
Bis ich wieder raus kann,
um sie erleben.
Bis dahin:
Alles andere als einsam.

 

9 Gedanken zu “Beschäftigt Dich die Einsamkeit jetzt mehr als sonst?

  1. Hans Zangl sagt:

    Lieber Detlev
    Ein sehr schöner, tiefsinniger Text, der in mir einige Fragen aufkommen ließ. Beschäftigung und Einsamkeit, kann man das, und wenn ja, sinnstiftend in Beziehung setzen? Beschäftigung ist geistige und/oder körperliche Auseinandersetzung mit einer Aufgabe, einem Problem, einer Frage, einer Herausforderung, Beschäftigung ist TUN. Unter Einsamkeit wird i.d.R. verstanden, von anderen Menschen getrennt und abgeschieden zu sein.
    Jetzt die Fragen:

    – Kann man sich nur beschäftigen, wenn man nicht einsam ist? Wer und was steuert diese Menschen?
    – Kann man sich auch beschäftigen, wenn man einsam ist? Wer und was steuert diese Menschen?
    – Gibt es ein „Optimum“ zwischen einer Beschäftigung in Einsamkeit und einer Beschäftigung in und mit sozialen Gemeinschaften?

    Du beschäftigst dich in deiner jetzigen Corona-Einsamkeit mit deinen Geschichten, du hast eine Beschäftigung „gefunden“. Deine Geschichten beruhen auf zurückliegenden Beschäftigungen in sozialen Gemeinschaften, d.h. du „lebst“ momentan in und aus den Vorräten deiner sozialen Vergangenheit.

    Aber du hast auch eine Zukunft, „du bist noch längst nicht der, der du sein willst“, wie du sagst. Also muss deine Einsamkeit auch wieder ein Ende haben. Hierzu eine abschließende Frage: hat deine Beschäftigung mit deinen Geschichten in deiner befristeten Einsamkeit zu einem besseren Verständnis geführt, wer du in Zukunft sein willst? Mit was wirst du dich mit diesem neuen Bewusstsein künftig intensiver beschäftigen?

    Beste Grüße und bleib gesund
    Hans

    1. Detlev Six sagt:

      Lieber Hans,

      danke für Deinen wohlwollenden, aber auch fordernden Kommentar.

      Erst einmal zu Deinen Voraussetzungen:
      Beschäftigung ist TUN.
      Sowohl in geistiger wie auch körperlicher Auseinandersetzung mit einer Aufgabe.
      Ein JA von mir.
      Auch für Deine Definition der Einsamkeit.
      Ein JA.
      Nur erleben Menschen dieses “getrennt und abgeschieden sein” unterschiedlich. Für mich ist es die Möglichkeit, meinen Geschichten wieder zu begegnen und sie zu bewerten. In Abgeschiedenheit und Distanz. Dabei lebe ich, wie Du sagst, von den “Vorräten meiner sozialen Vergangenheit”. Habe aber die wunderbare Gelegenheit, sehr viel mehr in die Tiefe der Geschichte gehen zu können, weil keine aktuellen Geschichten dazwischen fahren.

      Ich werde jetzt nicht auf jede einzelne Deiner Fragen eingehen, aber auf die wichtige des Autors des Steuerungsprozesses. Wobei ich mich nicht auf die allgemeine Form (“wer oder was steuert diese Menschen?”) einlasse, sondern nur auf die, die ich beurteilen kann: meine.

      Mein ICH besteht, Du kannst es Dir schon denken, aus Geschichten, bedeutsamen, die den Kern bilden, weil sie mich geprägt haben, weniger bedeutsamen, die den Rand meines ICHs in ständiger Bewegung und Erfrischung halten.

      Mein ICH ist natürlich nur die Spitze des Eisberges, das bewusste Schmankerl meines Leben. Vieles ist passiert, worauf ich keinen Einfluss hatte, Ausstattung durch die Natur, Zufall von Geburt und Ort und einiges mehr. Aber ein paar Freiheitsgrade, die dabei übrigbleiben, die nutze ich zur ICH-Bildung.

      “Ich bin noch längst nicht der, der ich sein will”, habe ich geschrieben und längere Phasen der Abgeschiedenheit geben mir eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, wo ich hin will.

      Aber sie geben mir nicht alles.
      Dafür brauche ich auch Begegnungen mit anderen Menschen.

      Beste Grüße und bleibe auch Du gesund.
      Detlev

      Zum Schluss fragtest Du mich, womit ich mich in Zukunft intensiver beschäftigen werde. Ich werde verstärkt an meinen Fähigkeiten arbeiten, schöne Dinge in die Welt zu bringen. Nicht so sehr, um dafür Applaus zu erhalten (würde ich aber annehmen), sondern mehr als Erkenntnis darüber, wie viel ich aus einem “rohen Stück Fleisch” machen kann.

      1. Karlheinz Raum sagt:

        Lieber Detlev
        das klingt doch sehr positiv. Rohes Fleisch kann man weich klopfen. Bei mir ist das etwas schwieriger; ich bin schon etwas angegart.

  2. Kuhn Hans-Peter sagt:

    An Karlheinz,
    Du schreibst über Freiheit und das Thema war Einsamkeit.
    Keiner stirbt am Coronavirus, alle sterben an Vorerkrankung. Die tödliche Vorerkrankung ist jedoch das Leben!
    Ein Rundumschlag gegen Impfung und die Pharma – Industrie verschafft Dir Popularität.
    Vielen Dank Karlheinz Trump

    An Detlev,
    Du sprichst mir aus dem Herzen!

    1. Karlheinz Raum sagt:

      bisher waren Beleidigungen vor allem in social media verbreitet. Jetzt wurde auch der Sauruessel infiziert. Das ist die Freiheit der Kreativen – nicht die der Menschenrechte – und noch unter einem Decknamen. Auch nicht, wenn man mir den Namen Trump gibt.

      1. Detlev Six sagt:

        Wo bitte ist hier ein Deckname? Und dass Kommentare auch auf der Saurüssel-Website ad hominem und nicht nur ad rem geführt werden, das dürfte Dir nicht fremd sein. So lange Angriffe auf die Person ein bestimmtes Maß nicht überschreiten, greife ich nicht ein.

  3. Karlheinz Raum sagt:

    Freiheit ist für mich ein hohes Gut. Ich habe die Befreiung vom Nationalsozialismus noch miterlebt. Ich habe die Ruinen unserer Städte nach dem 2. Weltkrieg gesehen. Ich war dabei als die Amerikaner in Nürnberg einmarschiert sind. Meine Schule war neben dem Justiz Palast, in dem die Anführer verurteilt wurden. Was die internationale Einführung der Menschenrechte 1948 bedeutet, habe ich erst viel später verstanden.
    Bis 2020 habe ich 75 Jahre in Freiheit verbracht. Ich habe durch Rousseau und andere verstanden, dass Freiheit nicht grenzenlos sein kann und ich nicht alles machen darf, was ich möchte, sondern nichts tun muss, was ich nicht will.
    Seit März 2020 hat sich das geändert. Der Staat, den ich mitgewählt habe, schränkt meine Freiheit ein. Ich muss jetzt Dinge tun, die ich nicht will. Damit wir uns richtig verstehen, ich habe eine soziale Regierung gewählt, die mich jetzt zwingt asozial zu handeln.
    Keine Sorge – man muss deswegen nicht an Einsamkeit sterben. Auch in Diktaturen konnte man gemeinsam leben. Man muss nur seine Persönlichkeit dem Kollektiv anpassen. Wie in einer Massentierhaltung. Da ist kein Tier einsam, sondern „nur“ in seiner Freiheit eingeschränkt.
    Ich habe Verständnis dafür, dass es Ausnahmesituationen gibt, in denen meine Freiheit, zu meinem eigenen Schutz, begrenzt werden muss.
    Das muss aber gut begründet sein. Es macht keinen Sinn auf einer unbefahrenen Straße eine Fußgängerampel auf rot zu stellen. Aktuell begründet man weltweit alle Einschränkungen damit, dass die hohe Sterblichkeit auf einen Virus zurückzuführen sei. Nachprüfungen haben ergeben, dass nahezu alle auf Covid19 positiv getesteten Verstorbenen nicht daran verstorben sind, sondern an Vorerkrankungen. (In Italien 97%, in Hamburg 100%.).
    Die logische Frage, die sich daraus ergibt, wäre doch; Wie kann man die Zahl der Vorerkrankungen senken, um die Sterblichkeit zu verringern? Was nutzt ein Impfstoff, wenn sich dadurch die Sterblichkeit nicht verringert ? Offensichtlich nur der pharmazeutischen Industrie ? Oder sehe ich da etwas verkehrt?

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