Trennt uns die Sprache oder verbindet sie uns?

Die Zeichen stehen
auf Trennung.
Die Individualisierung
in den demokratischen
Staaten schreitet voran.
Mit den sozialen Medien
kann jeder – jeder –
sich öffentlich äußern.
Und um aufzufallen und
die eigene Persönlichkeit
zu unterstreichen,
entwickeln sich mehr
und mehr Sprachstile.
Die Freiheit wächst
über die Sprache.
So weit, so gut.
Allerdings ist die
persönliche Verantwortung
für das Handeln
in Freiheit
nicht mitgewachsen.
Viele garnieren mit
plumpen Moralisierungen
und hassgeprägten Reden
den Mangel daran.
Die anderen sollen sich
ändern, nicht man selbst.
Gott, Eltern und Lehrer
kommen als moralische
Instanzen immer
weniger in Frage.
Brauchen wir
eine neue Instanz?
Brauchen wir ein
Wortethikministerium?
Das in Seminaren
und Workshops
verantwortliche Freiheit
trainiert?
Nein, das müssen wir
schon selbst lernen.
Aus eigener Erfahrung.
Mit allen Grausamkeiten.
Wirklich frei werden
wir nur, wenn wir
auf die Anleitung
anderer verzichten können.

 

5 Gedanken zu “Trennt uns die Sprache oder verbindet sie uns?

  1. Karlheinz says:

    Jetzt verstehe ich die Kernfrage nach dem Sinn der Sprache. Sie verbindet auf alle Fälle mehr als sie trennt. Es gibt ja auch wenig Alternativen. Die Laut-, Zeichen- oder Gebärdensprache, die wir als Baby gelernt haben, wird höchstens von Mama verstanden. Wie gut wir verstanden werden, hängt von 2 Faktoren ab. Einmal vom Zuhören, aber ganz besonders, von dem gewählten Wort, mit dem wir unsere Ansprache deutlich machen wollen. Ich habe das ein paarmal selbst erlebt, als es um „Neues Denken“ ging. Am Anfang stand das Wort……
    Ähnlich erging es mir in der Runde am Mittwoch, als der Referent gleich mit 10 Thesen, die Zuhörer zum Protest animieren wollte. Ich war dann heilfroh, dass es nicht 95 geworden sind und noch mit ein paar Fragen ergänzt wurden. Ich kenne aber auch die Gefahr von Thesen, denn sie sind immer eine Herausforderung, für diejenigen, die sie zum ersten Mal hören. Sie wirken oft wie eine Kampfansage und haben, wie die Thesen Luthers, auch zum längsten Krieg geführt, der jemals in Europa stattgefunden hat.
    Er wollte lediglich eine Deutung der Heiligen Schrift ändern, verbessern oder vielleicht nur der Zeit anpassen.
    Mit einem Punkt, lieber Detlev, gehe ich nicht konform. Nämlich Dein Schlusssatz, dass wir auf Anleitungen verzichten können. Wer sagt uns, was verbessert werden kann?
    Was dabei herauskommt, sehen wir an den aktuellen Ereignissen unserer Welt – sie machen uns sprachlos oder babylonisch. Vielleicht ist da ein Zusammenhang mit unserem 1. Lebensjahr?

     
    1. hans-peter kuhn says:

      Lieber Karlheinz,
      Habe Deinen Kommentar mit grossem Interesse gelesen.
      Was Kommunikation betrifft, finde ich, dass Du Deine Gedanken oft mit Wissenskundgebungen verwässerst. Dein Wissen steht in 11 von 24 Zeilen. Allein Deine Gedanken interessieren beim Philosophieren.
      „In der Kürze liegt die Würze“, im sexuellen Leben mag das wie ein Trostpreis klingen. In der Kommunikation halte ich es für wesentlich.
      Das klingt jetzt wie eine Anleitung, Deine Freiheit sei Dir erhalten.
      Ich grüsse Dich freundschaftlich.

       
      1. Karlheinz says:

        Ich bedanke mich für Deine Gedanken. Bedauere, dass sie nicht ganz mit meinen übereinstimmen. Aber das ist normal. Veranlasst mich aber “Wissen“ etwas anders zu definieren.
        Ich benutze dazu das altbekannte Zitat Sokrates, der angeblich wusste, dass er nichts weiß.
        Das wäre nach heutigem Verständnis entweder Tiefstapelei oder Heuchelei.
        Wenn ich das Zitat sinngemäß in den Plural versetze und meine Erkenntnis daraus ziehe, würde daraus; „Wir wissen, dass wir noch nicht alles wissen“.
        Daraus der Schluss, dass wir über vorhandenem Wissen zu neuer Erkenntnis gelangen. Das wäre nach meiner Definition „Neues Denken“, an dem sich auch die Wissenschaft orientiert. Eine Dissertation ist meist das Ergebnis von neuer Erkenntnis, die aus altem Wissen resultiert (nicht die Quellen vergessen, sonst ist das Ergebnis gefährdet, so wie die Prüfung auf Wahrhaftigkeit).
        Das heißt für mich, dass sich meine Meinung aus anderen Meinungen bildet und zu neuer Erkenntnis führt. Der bequemere Weg ist die Übernahme anderer Meinungen.
        Wenn man anfängt, Zeilen (Erbsen) zu zählen, in denen ich meine Meinung veröffentliche, mit der Empfehlung auf Kürzung, wäre Ergebnis tatsächlich mit dem sexuellen Leben vergleichbar. Man verkürzt den Genuss. Es bliebe nur noch das Verkünden von Fremdzitaten oder eigene Erlebnisse als Biographie zu schreiben.
        Meine Beiträge sind authentisch. Meine Gedanken, meine Meinung und mein Wissen sind meine Erkenntnisse aus meinem Leben. Es wäre erstrebenswert, wenn aus dem Diskurs etwas Neues entsteht. Das verstehe ich unter neuem Denken und nicht, ob es gefällt.

         
  2. hans-peter kuhn says:

    Sprache ist die toolbox der Kommunikation.
    Kommunikation tritt dann ein, wenn der Andere richtig versteht, was der eine eigentlich sagen will.
    Als nicht wild rumquatschen sondern erstmal genau zuhören und sich dann einfühlsam und mit Präzision ausdrücken.
    Wenn Schweigen und Reden zu Gold werden tritt Kommunikation ein, dann verbindet die Sprache.
    Das ist auch grundsätzlich beim Anbaggern, erinnert Euch!!!

     
  3. Ralph P. Crimmann says:

    Zu Karl-Heinz
    Meine provozierende einzige These lautete, dass wir unter einer transzendentalen Sprachlosigkeit leiden. Diese einzige These wurde durch zehn Argumente erläutert. Übrigens war ich kein Referent, sondern Impuls-Setzer. Schon in der Verwechslung von Referent und Impulssetzer zeigt sich die Schwierigkeit des Verstehens. Was den Dreißigjährigen Krieg betrifft (1618 – 1648), so kann wohl nicht Luthers akademisches Thesenpapier vm 31.10.1517 dafür verantwortlich gemacht werden. Ich erinnere an den Prager Fenstersturz, hinter dem der tschechische Wunsch nach Souveränität stand. Daraus entwickelte sich ein Kampf um die Macht in Europa, bei welchem gerne auch ein eigenes Süppchen gekocht wurde (siehe Generalissimus Wallenstein).

     

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