Wie böse ist Gemeinschaft?

Warum nur?
Kämpfte die Wehrmacht
so viel besser, als
die eigenen Truppen?
Fragten sich
die Alliierten.
Ihr Kampf war
doch aussichtlos.
Das mussten sie
mindestens wissen
durch Millionen
von Flugblättern.
War’s die Kraft der
Nazi-Ideologie?
Die englische
Psychological
Warfare Division
befragte hunderte
von deutschen
Kriegsgefangenen.
Die Nazi-Ideologie
spielte eine völlig
untergeordnete Rolle.
Der wahre Grund:
Kameradschaft.
Freundschaft.
Sie kämpften für
ihre Kameraden,
die sie nicht im
Stich lassen
wollten und ihre
Generäle setzen
alles daran, diese
Kameradschaften
zu stärken.
Wörter wie
„Gemeinschaft“
haben einen
durchwegs
guten Klang.
Das ist
verführerisch.
Doch das Gute
kann zum
Bösen führen.
Wenn also
Alexander Dugin,
philosophischer
Berater von Putin,
aufruft, zum
Kampf gegen die
„fortschreitende
Befreiung des
Individuums von
allen Formen
der kollektiven
Identität“ und
„gegen die Idee
des individuellen
Entscheiders über
die eigenen
Lebensverhältnisse“,
dann sollten
wir uns klarmachen:
„Gemeinschaft“
in einer liberalen
Gesellschaft bedeutet
etwas völlig anderes,
als „Gemeinschaft“ in
autoritären Gesellschaften.

 

15 Gedanken zu “Wie böse ist Gemeinschaft?

  1. hans-peter kuhn says:

    Im Fussball sagt man: 11 Freunde müsst Ihr sein!
    Die bilden dann eine Gemeinschaft, Einer für Alle, Alle für Einen!
    Die Gemeinschaft steht über allem, über dem Verein, über dem Trikot, über dem Erfolg des Einzelnen.
    Das höchste Ziel der Gemeinschaft ist die Stärkung der Gemeinschaft.
    Sagt jetzt, was Ihr wollt. Ich finde das einfach schön!

     
  2. Bettina says:

    Ich finde es bedenklich, dass der Individualismus über allem steht. Die Freiheit eines jeden Einzelnen steht über dem Gemeinwohl. Das geht nur im Kapitalismus. Dieser funktioniert aber nur mit Wachstum. Und der Freiheit des Neoliberalismus, der Bankenabzocke (interessanter Film zu 2008 „The big short“ von Adam McKay, von ihm auch „Don´t look up“), der absoluten Bereicherung einzelner. Da wir aber jetzt über Verzicht reden müssen, was angesichts der Verknappung des Wachtumsmotors billiger Energie leider jetzt erst Energie zum Thema wird, obwohl es das angesichts der Klimakatastrophe schon längst hätte sein müssen, wird dieses Modell wohl obsolet werden, da der Kapitalismus mitsamt seiner Freiheit ohne Wachstum nicht funktioniert. Das Geschrei „Ich, Ich Ich“ mit den dazugehörigen Demos, die man ja schon von den Querdenkern gewohnt ist, welche sich schon wegen eines kleinen Stück Soffs in ihrer Freiheit beschränkt und die Diktatur kommen sahen, wird über die Lande hallen. Autokratische Regierungen haben wohl den Vorteil von mehr Selbstwirksamkeit, da nicht jede Maßnahme und jedes Windrad zum Politikum wird, durch mehrere Instanzen gehen und von Gegnern und Befürwortern und (anderen) Lobbyisten ausgefochten werden muss. Der Individualismus könnte uns also noch auf die Füße fallen und es wird vielleicht nicht mehr möglich sein, Lösung und Rettung zu finden.
    Ich habe zum Individualismus schon lange eine andere Einstellung als der Mainstream, vielleicht weil ich in diesem groß geworden bin und die Auswüchse z.T. am eigenen Leib gesprürt habe. Ihr, liebe Stammtisch-Teilnehmer, seid mehrheitlich aus der vorherigen Generation (der der „Kriegskinder“), habt noch andere Zeiten erlebt und seht daher eher die Vorteile und Chancen, vor allem für Euch selbst. Wobei i c h allerdings die Freiheit in Wirklichkeit nie so richtig sah, z.B. politsch gesehen. Wenn man sich etwa den Radikalenerlass ansieht. Die persönliche schon, aber um mich etwa in Poona oder im Yogaretreat auf den Kanaren zu verwirklichen, brauche ich zuerst einen Reisepass aus dem richtigen Land und die nötige Knete. Wenn das nicht vorhanden ist, ist es mit der Freiheit schnell aus. Vielleicht aber auch nicht: die Freiheit, als Touareg in einem Wüstendorf in einer Kneipe zu sitzen und Oud zu spielen, ist auch nicht zu verachten.

    Böhmermann hat kürzlich eine Sendung über Elon Musk und seine Satelliten gemacht (er hat die Option auf 40000 Satelliten). Das nenne ich mal Freiheit…dass ich soviel Kohle habe, dass ich mir meine Satties für meine Zwecke in den Orbit schiessen kann.

     
    1. Hans Zangl says:

      Liebe Bettina,
      danke für diesen offenen und sehr klaren Beitrag. Deine Argumentation ist nachvollziehbar und stimmig. Aber: wie können wir es ändern und wie funktioniert es dann?
      Beste Grüße
      Hans

       
      1. Bettina says:

        Lieber Hans, danke für Deine Antwort! Leider herrscht absoluter Zeitmangel bei mir und ich habe es erst jetzt gesehen. Tja, wie können wir es ändern…? Wir hatten wirklich fette, freie und auch tolle Jahre und viele fürchten, dass es damit vorbei sein könnte, hashtag Mittelstand. Am Geld konnten viele teilhaben, dann niemand ging es wirklich schlecht, außer in den letzten Jahren, siehe Kinderarmut. Auch die Altersarmut, warum muss es die in einem reichen Land geben…hauptsächlich für Frauen, die in (prekären) Ehen abhängig gelebt haben und den hoffentlich künftig steuerzahlenden Nachwuchs großgezogen haben. Ich bin aber eigentlich keine krasse Feministin und finde Aufgabenteilung gar nicht schlecht.
        Es gibt viele Widersprüche, auch in meinem Denken!
        Was passiert mit unserem Wohlstand, wenn jetzt aufgrund von versprochener Moral bzw. im Zugzwang der USA und der NATO Taiwan gerettet werden muss, wenn China es annektiert. Dann ist es aus mit dem Globalismus bzw. den Prokukten, die wir für unsere Insustrie brauchen. Schon jetzt wird AdBlue knapp.
        Wohlstand, der ehrlich gesagt auch auf der Ausbeutung von Rohstoffen und Menschen im globalen Süden basiert und auf billigem Öl und Gas.
        Ich fürchte halt der Kapitalismus lebt nicht mehr lang und mit ihm vielleicht die Demokratie. Andere, moderne Autokraten stehen ja auch schon in den Startlöchern und wollen für ihre antidemokratischen egoistischen Ziele sogar eigene Inseln oder Kleinstaaten erreichten, mit ihrem unerermesslichen Reichtum, der auf keinen Fall geschmälert werden darf. Westliche Oligarchen. Mir sind die Intentionen dieser Leute überhaupt nicht im Geringsten verständlich: Macht, noch mehr Geld, sind das politsche Leute? Ich meine Bezos, Musk oder Peter Thiel mit seinem Vasallen Trump. Hitler war ja auch Vasall des (Geld-)Adels. Wobei Trump eher der Verhandler mit Russland gewesen wäre. Mit dem anderen Deppen aus Nordkorea wollte er ja auch sprechen.

         
    2. Peter Deller says:

      Liebe Bettina, gerne möchte ich deinem Plädoyer für Autokratie etwas entgegenhalten. Das ist nicht ganz leicht, denn schon Churchill wusste um die Systembedingten Nachteile unserer Staatsform. Bei unserer Wirtschaftsform sieht es leider nicht viel besser aus.
      Beginnen möchte ich mit der Leistungsfähigkeit Autoritärer Regime in der Vergangenheit. Wenn man die Umweltbilanz einer DDR oder Sowjet Russlands im Vergleich zur Leistungsfähigkeit der Länder betrachtet, erkennt man, dass durch das Fehlen fast sämtlicher Umweltstandarts die Natur und der Mensch fahrlässig gefährdet wurden.
      Es gibt übrigens bei uns auch eine Partei die Kriesen geschickt bewirtschaftet ohne substanzielle eigene Konzepte oder gar Lösungen zu haben. Gegründet auf dem Ticket der Demokratie strebt man hier eine Staatform an die mit Pluralismus und Meinungsfreiheit nichts mehr zu tun hat. Der Laden heißt AFD.

      Aber zurück zur Umweltbilanz, auch heute stehen Bolsonaro , Orban, Kaczynski oder Trump doch nicht im Ernst für Windräder oder Naturschutz.
      Einzig China könnte es schaffen, aus vitalem Eigeninteresse, einer Vergiftung der Menschen zu entgehen durch eiserne Durchsetzungskraft und Gesetzgebungen.

      Da möchte ich aber trotzdem nicht gerne tauschen bei diesem Bürger Ranking: Der unauffälligste und angepassteste Staatsbürger bekommt zur Belohnung keine Strafpunkte, echt toll.

      Ich sag es mal mit dem Sänger Jimmy Cliff :
      I`d rather be a free man in my grave, than living as a puppet or a slave.

       
      1. Karlheinz says:

        Churchills Zitat bezog sich auf die englische Demokratie des 20.Jahrhunderts, inklusive die Freiheit des Bürgers. Er wußte aber auch keine Bessere.

         
      2. Bettina says:

        Lieber Peter, danke für Deine Resension, Du hast Recht! Vor allem, auch wie man gestern sah und auch an der Demo in Berlin, das ist die perfekte Chance für die Blauen, die Menschen einzufangen, wie 1933.

         
        1. Peter Deller says:

          Hallo Bettina, es freut mich, dass du eine ähnliche Einschätzung hast was die AFD betrifft. Übrigens dein „genervt sein“ von den Querdenkern kann ich gut nachvollziehen, die erlebe ich als infantile Truppe, die, obwohl eher von kleiner Stückzahl, eine erstaunliche Medienpräsenz erreicht haben. An was liegt das eigentlich? Da hätte ich mal richtig Bock darüber im Saurüssel, oder am Stammtisch in Endorf zu diskutieren.
          Ist es, weil die Schöpfer des Grundgesetzes uns zu 99 Prozent nur Rechte ins“ Holyi book“ geschrieben haben, und so gut wie keine Pflichten? Ist es weil unsere Kleinen überwiegend als Prinz oder Prinzessin sozialisiert werden? (sorry aber bin umgeben von Konfliktscheuen Eltern, Kritik ist ja so Lieblos,).
          Ist es, weil wir nach nach 70 Jahren Sozialstaat (wurde Weltweit in dieser Ausprägung kaum erreicht), einfach an zu viel Wohlstand verblöden?
          LG
          Peter

           
      3. Bettina says:

        Noch ein Kommentar von mir: Eine Art Ranking könnte uns auch blühen, wenn die Krankenkassen z.B. in der Zukunft das Verhalten einbeziehen. Schon jetzt werden auch Daten an Versicherungen verkauft oder an Banken, die dann evtl. keinen Kredit vergeben. Überhaupt gibt es ja Rankings, die den beispielsweise den Wohnort betreffen und vieles andere. Und das Konsumverhalten…gläsern halt. Sind da die Chinesen schneller und nutzen die Daten absolut? Übrigens auch im „Paradies“ Thailand: Biometrische Daten, Gesichtserkennung, Kameras und in den sozialen Netzwerken darfst Du nichts falsches posten, sonst winkt der Knast. Das ist alles so komplex und kompliziert geworden..
        Vielleicht gibt es bei uns ja eine Diktatur des Konsums. Ich habe mal in den 80ern schweizer Punks kennengelernt, die haben den „Konsumterror“ angeprangert.

         
  3. Ekkehard says:

    Gemeinschaft ein Auslaufmodell

    Ich kann diesmal beim Stammtisch nicht dabei sein. Deshalb möchte ich das Medium Saurüssel benützen, um meine Meinung zum Thema beizutragen.
    Meine Behauptungen vorab: Gemeinschaften sind keine Auslaufmodelle sondern begleiten uns ständig. Gemeinschaften und Individualismus sind keine Gegensätze und können beide in positivem und negativem Sinne Bedeutung haben. Der Begriff der Freiheit kann unterschiedlich ausgelegt werden, darf aber niemals von Menschen beansprucht werden, die ihn ausschließlich ihrer eigenen Definition unterwerfen.
    In meine Begründung fließen Definitionen ein, zu denen mich der Beitrag von Bettina angeregt hat. Es sei mir erlaubt, dass ich dabei auf den Hin-weis zur vorherigen Generation aufbaue. Ich bin nämlich mit Sicherheit aus der vorvorherigen Generation.

    Gemeinschaft: mein erster Gemeinschaftssinn wurde mir mit zehn Jahren, als Pimpf, eingebläut. Es war die Vaterlandsliebe, die mich damals sogar begeisterte, die jedoch zigmillionenfachen Tod verursachte. Danach lernte ich den Gemeinschaftssinn kennen, der erforderlich ist, um überleben zu können. Später lernte ich die Kameradschaft von Bergsteigern kennen und noch viel später, als ich in Italien arbeitete, einmal sogar den Gemeinschaftssinn der Mafia, den ich allerdings nie schätzen lernte. In meinem Beruf musste ich lernen, dass langfristiger Erfolg eines Unternehmens niemals vollständig eine Einzelleistung ist, sondern aus gemeinsamer Handlung einer Gemeinschaft resultiert.

    Individualismus: ich kann mir Fortschritt ohne individuelle Leistung überhaupt nicht vorstellen. Natürlich ist diese auf die Mitwirkung der Gemeinschaft immer wieder angewiesen. Lambarene hätte ohne die Leistung von Albert Schweitzer nie existiert. Albert Schweitzer hätte aber ohne Rückhalt niemals arbeiten können. Natürlich gibt es auch den negativen Individualismus. Und selbst dieser muss sich immer auf eine Gemeinschaft stützen. Vielleicht war Nero eine Ausnahme, aber Hitler ohne SS und Putin ohne KGB wären auch kaum denkbar. Das, was mich heute so stört, ist nicht der Individualismus, sondern der rücksichtslose Egoismus, der nichts mit Idealismus gemein hat.

    Freiheit: vielleicht hat sich da manches verschoben. Ich kenne noch in Ansätzen das Volksrecht des Dritten Reiches, wesentlich besser das Besatzungsrecht der Nachkriegszeit und, nach Verabschiedung des Grundgesetzes, den schrittweisen Ausbau unserer eigenen Rechtshoheit. Vielleicht fühle ich mich deshalb absolut frei. Auch den Reisepass liebe ich, weil er mir den Zugang zu fast allen Ländern der Welt erlaubt, was früher nicht der Fall war. Natürlich kann ich mir auch nicht leisten überall hinzufahren. Das ist halt so. Vielleicht sollte man aus der Freiheit wieder mal ein Stammtischthema machen.

     
    1. Bettina says:

      Lieber Ekkehard,
      Dein Beitrag ist interessant und mit viel Offenheit geschrieben!
      Am Reisen stört mich bei manchen Reisenden, dass sie die Länder sozusagen konsumieren und abhaken, und dort nur schnitzelessend im Hotel sind und am Strand brutzeln (viele haben jetzt mindestens ein Basaliom). Ich habe viele Jahre als Schlafwagenstewardess gearbeitet und als die DSG zur Mitropa wurde, haben wir viel mit ehemaligen DDR-Kollegen diskutiert, und es ging oft um die Reisefreiheit…mit dem Ergebnis siehe oben. Ich weiß, ich urteile sozusagen auf hohem Ross, da ich selbst früher fast nur gereist bin (allerdings oft ohne Geld per Anhalter und ich hab manchmal im Schlafsack draußen geschlafen). Wir sind aber auch mit dem Auto auf dem Landweg bis Zentralafrika, Tchad und in viele andere Länder gefahren, ohne ein einzige Hotel aufzusuchen (einmal 4 Monate lang). Und in Cuba war ich individuell unterwegs, als das gerade erst erlaubt war. In Thailand hatte ich ein halbes Jahr ein kleines Holzhäuschen ohne fließendes Wasser gemietet, in einem Dorf ohne Strom. Und oft war ich mit meinem Mann bei seinen Eltern, die damals nur eine Art Ein-Raum-Hütte hatten und sehr arm waren. Ich wollte es immer genau wissen. Aber vieles entstand, weil ich es hier nicht finden konnte und mir gerade die Gemeinschaft fehlte (die wiederum der Individualismus zerstört hat, so wie ich es sehe). Und eine Art Führung, jemand, der einen beraten oder fördern möchte, habe ich auch vermisst. Erziehungsberichtigte wie Nonnen im Internat haben mich eher abgehalten, einen Weg für mich zu finden („Du kannst dich gleich umbringen, dein Leben ist sowieso wertlos“). Auch in den Regelschulen war es für mich kontraproduktiv. Mein Vater, der Richter war, war „not amused“, ist aber auch eher seiner Wege gegangen und hat sich mit dem beschäftigt, was ihn interessierte. Meine Mutter genauso. Das meine ich mit Individualismus im negativen Sinn…wenn man für Althergebrachtes keine Zeit und Lust mehr hat, und ob man in der frühen und späten Nachkriegszeit nicht eher auf Verdrängen durch Konsum aus war? Der Industrie war´s recht. So wurden die Räder geschmiert.
      Ich lese dazu ein Buch „Unsere Nachkriegseltern“ über 2-3 Generationen. Da steht vieles drin, über was ich schon seit Jahrzehnten grüble.

       

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